In the dead of winter…

Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass Regen „plitsch-platsch“ macht? Bei mir macht der Regen „Plop, plop…..plop….plop, plop“, jedenfalls wenn ich nachts im Bett liege, die Zimmerdecke anstarre und über das Wetter der vergangenen Wochen nachdenke. Um es kurz zu machen. Nass und kalt; wahlweise mit Wind oder mit noch mehr Wind. Sonnenuntergang in Berlin heute: 16:18 Uhr. Wie schön! Die Tage werden wieder länger! Wahrscheinlich bin ich über Weihnachten zum Weichei mutiert. Laufen bei Kälte, Dunkelheit und Regen ist für mich zurzeit Strafarbeit. Klar gab es in den vergangenen Wochen auch schöne Läufe. Der PLC-Lichterpaarlauf im Dezember, der Neujahrslauf zur Pfaueninsel, die Läufe in den Potsdamer Ravensbergen.

Und hinterher kann man sich das ja auch ein bisschen schönreden. Das Wetter war gar nicht so schlimm wie befürchtet und ist doch eigentlich auch egal, ob man nass wird…wenn man erst mal losgelaufen ist. Die Wahrheit ist: Meistens musste ich mich nach einem Blick aus dem Fenster erst mal überwinden. Zu kalt, zu windig, zu nass. Hören wir also auf mit den Ausreden: Die Motivation stimmt nicht! Das ist wahre der Grund, warum ich nach der Laufpause keinen richtigen Rhythmus gefunden habe, und das Training so vor sich hin mäandert. Dabei sind es bis zum nächsten Marathon nur noch knapp sechs Monate. Zeit also, aus den „Babuschen“ zu kommen, oder wie ein schwäbischer Handwerksmeister sagen würde: „Finger aus’m Arsch und laufa lassa!“

Hohe Zeit also, das zu machen, was ich mir vorgenommen habe: Den lästigen Rest an Emotionen über die Irrungen und Wirrungen des Lebens beiseite schieben, endgültig aufhören sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die ich ohnehin nicht ändern kann und mir einen Plan machen. Hirn aus! Schuhe an! Trainingsplan durchziehen! Da war sie also wieder, die gute alte Disziplin…schnell nochmal ins Lexikon schauen: Disziplin ist… 1. das Einhalten von bestimmten Vorschriften, vorgeschriebenen Verhaltensregeln o. Ä.; 2. das Sicheinfügen in die Ordnung einer Gruppe, einer Gemeinschaft. 3. das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen. 4. Wissenschaftszweig; Teilbereich, Unterabteilung einer Wissenschaft. Richtig…das „Beherrschen des eigenen Willens, um ein Ziel zu erreichen“. Irgendwann habe ich mir doch mal so ein Marathonbuch gekauft…verdammt wo habe ich es nur hingestellt…

…ahja..da ist es ja…Seite 38, Kapitel 5, Motivation und Zielsetzung: „Der einzelne Mensch unterscheidet sich von anderen Menschen in den Zielen, die er sich setzt. Große Ziele bewirken eine große Veränderung (Erkenntnis 2017/1). Keine Ziele bewirken Stagnation oder Rückgang….Nur bei einem innerlich gefestigten Ziel kann sich der unbändige Wille entwickeln, der sich über die aufkommenden Schwierigkeiten wie Zeitmangel, Erkrankung, Leistungseinbruch, Verletzung, schlechtes Wetter, usw. hinwegsetzt und die Einhaltung und Fortsetzung des Trainings gewährleistet.“

Verdammt…warum kennt dieser Schreiberling meine innerstes ich? Haben die Russen etwa nicht nur Hillarys Emails sondern auch meinen Kopf gehackt? Wenn ich es genau überlege, wäre ich aber nicht mal dann erpressbar – wie langweilig. Genaugenommen bin ich wahrscheinlich nur einer von hundertausenden halbdepressiven Winter-Motivationsloch-Weicheiern, die sich mit bis zu vier Lagen Laufklamotten und Stirnlampen durch Dunkeldeutschland quälen und für die man solche Lauf-Bücher schreibt. Und wenn schon!

Ich habe mal nachgeschaut. Am 7. April 2013 bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Das war in Berlin und mein Ziel war es anzukommen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe – vorher. Und  es war ein unglaublich erhebendes Gefühl – hinterher. Seither gab es einige Läufe, einige Höhen und einige Tiefen. Aber wenn mich das Laufen irgend etwas gelehrt hat, dann die Gewissheit, dass – ganz egal was kommt – man einfach immer weiter laufen muss. Irgendwann fühlt man sich wieder besser…und am Ende gibt es etwas zu trinken. Also hohe Zeit, sich mit dem Regen anzufreunden. Denn es ist „bestes schottisches Wetter, der Regen fällt fast lotrecht, nur leicht von der Seite“, sagt der schottische Freiheitskämpfer William Wallace (Mel Gibson) mit triefender Mähne und tropfnassem Kilt im Film Braveheart, in dem sich Engländer und Schotten Ende des 13. Jahrhunderts blutig um die Herrschaft streiten. Hoffen wir mal, dass sie sich 2017 trotz Brexit-Streit besser verstehen. Denn wie viele richtig erraten haben, wird mich der Weg Ende Mai nach Edinburgh führen, wo der nach London zweitgrößte Marathon der Insel stattfindet. Und ich glaube einen schottischen Whisky mit Finisher-Medaille um den Hals lasse ich mir nicht entgehen.

Also was ist zu tun? Im Buch steht das ab Seite 39 ganz genau: 1. Hauptziel definieren: Einen Marathon in vier Stunden laufen. 2. Sich klar darüber werden warum: Weil mir die Zeit davonläuft. 3. Zeitraum festlegen: Berlin Marathon, 24. September 2017. 4. Fernziel? 2018 verletzungsfrei erreichen. 5. Zwischenziele: Ludwigsfelde Frühlingslauf, 25. März, 13,8 Kilometer in unter 1:20; Berlin Schönefeld, Airport Nightrun, 8. April, Halbmarathon unter 1:55; Edinburgh, 28. Mai. Marathon in 4:20.

Na also…das hätten wir schon mal. Und draußen? Da regnet und windet es. Macht nichts. Denn eins ist sicher: Am Ende der winterlichen Ödnis kommt der Frühling.

One more tune 2017/1: Joss Stone / Karma

Meine derzeitige Lieblingsmusikerin ist Joss Stone. Die Soulsängerin stammt aus der südwestenglischen Grafschaft Devon, wo sie in dem Haus wohnt, in dem sie aufgewachsen ist. Auch ansonsten scheint sie ziemlich auf dem Boden geblieben zu sein. Sie singt immer barfuß – weil sie Schuhe unbequem findet – bis auf Turnschuhe. Na Joss…dann haben wir ja wenigstens eins gemeinsam. 🙂 Sie hat eine unglaubliche Stimme, eine total positive Ausstrahlung, einen herrlich britischen Akzent, sieht super aus und ist – fürchte ich – auch noch intelligent. 2011 hat sie ihr eigenes Label Stone’d Records gegründet und macht seither was ihr gefällt. Hier der Song „The High Road“ aus einer Session für Billboard. Derzeit ist sie auf einer Welttournee, mit dem Ziel, in jedem Land der Erde zu spielen (Große Ziele bewirken große Veränderung). Dabei macht sie eine Menge wildes Zeugs mit einheimischen Musikern und hat aus Armenien diesen Mitschnitt ins Netz gestellt. Obwohl mir nicht alles gefällt, was die 29jährige im Laufe Ihrer Karriere so alles gemacht hat, halte ich sie für eine der besten Sängerinnen, die wir in Europa derzeit haben. Wie machen die Briten das bloß? Im ganzen Vereinigten Königreich leben zusammen genommen 20 Millionen Menschen weniger als in Deutschland und trotzdem haben sie so viele brillante Musiker. Vielleicht hat es damit zu tun haben, dass bei uns ganze Stadien ausrasten, wenn Helene Fischer atemlos herumleiert und das einzige Konzert von Joss Stone in Deutschland dieses Jahr in der Wackerhalle in Berghausen stattfinden wird…ich glaube ich gehe trotzdem hin.