Jetzt hilft nur noch LSD…

Manchmal liegt zwischen zwei Blogeinträgen ein Lauf, und manchmal ein halbes Leben. „Wenn über Dir das Dach einstürzt, kannst Du die Sterne sehen!“ Das sagte mir ein Ex-Kollege, nachdem er sein Job verloren hatte, seine Freundin ihn deshalb sitzen ließ, ihm beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung die Achillesferse gerissen war und er wochenlang mit eingegipstem Bein in der Wohnung seiner Eltern lag und Löcher in die Decke seines ehemaligen Jugendzimmers starrte. Was mich betrifft: Meinen Job habe ich noch.

Ansonsten ist das mit den Sternen nicht ganz verkehrt…auch wenn es sich zunächst mehr nach „Sternchen sehen“ als nach Sternenhimmel angefühlt hat. Hat man sich den Staub von den Klamotten geklopft und die Augen gewischt, stellt man fest, dass die Geschäfte öffnen wie jeden Tag, die S-Bahn so unzuverlässig fährt wie immer und alle, die vorher nicht ganz dicht in der Birne waren, sind es immer noch nicht, waren es vielleicht nie…wer weiß das schon. Das einzige, was man sicher sagen kann: Egal was kommt, das Leben geht immer weiter weiter, weiter…hm…hört sich irgendwie an, wie….ja, richtig:

„Du und ich, und auch sonst keiner, kann so hart zuschlagen wie das Leben. Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann, es zählt bloß, wieviel man einstecken kann und trotzdem weiter macht.“
Rocky Bolboa

Ist schon eine Weile her mit den Rocky-Filmen…1976 kam der erste ins Kino. Ich habe ihn erst viel später gesehen. Das war für mich auch eher die Kategorie Film: schlaf- und planlos nach Mitternacht. Vielleicht wäre ich damals einfach besser schlafen gegangen, anstatt Rocky zuzusehen, wie er in Philadelphia die Treppen des Museums of Art hoch rennt.  Aber erstaunlich ist es doch, dass über 40 Jahre später immer noch Menschen aus aller Welt nach Philadelphia fahren, eine Treppe hoch rennen, die Arme in die Luft reissen…und jetzt raten wir mal, welche Musik dabei hören?

Da wären wir ja auch beim Thema, denn eigentlich soll das Blog ja übers Laufen gehen und das tut es auch. Also: Nach einem turbulenten Sommer habe ich letztes Jahr läuferisch nicht viel hingekriegt. Mal hier gelaufen, da trainiert, aber ich hatte den Kopf nicht frei und die Beine waren schwer wie Blei. Meine Teilnahme am Berlin Marathon habe ich abgesagt. Besser gesagt ist Steffi für mich gelaufen – über die genauen Details breiten wir einen weiten Mantel des Schweigens –  jedenfalls war es „mein“ schnellster Marathon, und so hatte ich ein paar Tage später einen guten Grund nach Griechenland zu fahren, um mich von den nicht erlittenen Strapazen zu erholen.

Und kurz darauf waren plötzlich überall Kugeln an den Bäumen…Seit zwei Wochen lass ich es jetzt wieder anlaufen mit dem Training. Aber ich merke natürlich, dass ich ganz schön abgebaut habe. Zu wenig gemacht und zu ungesund gelebt. Zeit für eine ungeschminkte   Bestandsaufnahme: Ich habe vier bis fünf Kilo zuviel auf den Rippen, ein kaputtes Ellenbogengelenk, Trainingsstand naja…war schon mal besser,  Motivation… uff….bei dem Wetter. Und ich bin läuferisch wieder dort angekommen, wo ich angefangen habe: Das erste Jahr habe ich beim Laufen nämlich den Kopf konsequent nach unten hängen lassen und auf meine Schuhe geglotzt…und genau dabei habe ich mich neulich selbst ertappt. Da hilft jetzt nur noch eines: LSD!

Nein, ich habe nicht beschlossen, die Pforten der Wahrnehmung zu erweitern, um wie weiland Jim Morrison von den Doors „zur anderen Seite“ durchzubrechen. Mein Bedarf an Vollidioten, die über mentale und emotionale Stärke faseln, ist bis an mein Lebensende gedeckt. LSD steht für Long Slow Distance: schlicht, der langsame Lauf. Der hat die Funktion die aerobe Grundlagenausdauer aufzubauen, man sagt, das passiere am besten bei 70-75% der maximalen Herzfrequenz, und – was für mich noch wichtiger ist –  man gewöhnt die Sehnen und Gelenke an die kommende Belastung. Denn das Tückische ist, dass zum Beginn des Trainings die Muskeln viel schneller fit werden als der Sehnen- und Gelenkapparat…und dann läuft ein alter Mann schnell in die Überlastungsfalle. Aber dieses Mal nicht mit mir! Das habe ich mir für 2018 fest vorgenommen!

Anfang März geht es mit dem Potsdamer Laufclub eine Woche ins Trainingslager ins Ausland. Und an dessen Ende liegt das erste Ziel 2018: Ein Halbmarathon, der auf einer Hängebrücke startet. Sie ist weltweit, die drittlängste Hängebrücke für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr. Nummer eins ist die Yavuz-Sultan-Selim-Brücke in Istanbul, auf Platz zwei liegt die Tsing-Ma-Brücke in Hongkong.

30.000 Läufer unterm Stahlseil – das wird hoffentlich nicht zu sehr schaukeln. Naja, wenn sie  nicht hält, fällt man mit etwas Glück unten ins Wasser. Einen ordentlichen Schluck Wein soll es dort auch geben. Schon erraten wohin die Reise geht?

Bis es soweit ist, muss ich im winterlich-grauen Brandenburg Kilometer schrubben. Letztes Jahr waren es gerade mal 1000. Viel zu wenig für eine ordentliche Laufsaison. Auch wenn derzeit draußen der Funfaktor arg begrenzt ist: Es hilft nix, Schuhe an und raus. Sobald man auf der Strecke ist, ist das Suddelwetter dann auch egal. Solltet Ihr also rund um Potsdam eine Gestalt überholen, die im Schneckentempo durch Parks und Wälder schleicht, seid nachsichtig, das bin ich auf LSD!

OneMoreTune 2018/1: Foo Fighters, The sky is a neighborhood
Apropos gerecht; es gibt Menschen, die haben soviel Talent, dass es gleich für mehrere internationale Karrieren reicht. Nehmen wir mal Dave Grohl, den letzten Drummer der Band Nirvana, bevor Curt Cobain sich im Heroinrausch eine Kugel in die Birne ballerte. Grohl trommelte das Album „Nevermind“ („Smells like teen Spirit“), was ihn auf die Liste der 30 besten Schlagzeuger aller Zeiten katapultierte. Danach tauschte er mal lässig die Drumsticks gegen eine Gitarre und gründete eine Band, die heute kommerziell zu  den erfolgreichsten Bands in den USA zählt: Die Foo Fighters. Im September 2017 ist ihr 9. Album „Concrete and Gold“ erschienen und der Song  „The sky is a neighborhood“ passt irgendwie gut zum Thema „Sterne sehen“.

Aber man darf auch seinen – Verzeihung – Arsch darauf verwetten, dass ein Schlagzeuger sich für seine Band einen Schlagzeuger holt, der ihm das Wasser reichen kann. Das kann er: Taylor Hawkins. Wenn es bei den Foo-Fighters laut werden muss, ist für Hawkins Schwerarbeit angesagt und ich schätze, wer als Schlagzeuger bei den Foo Fighters spielt, kann auch ohne Training einen Halbmarathon laufen. Zweifel dürfte dieser Clip ausräumen:  Foo Fighters, The Pretender – bei DEN Dreharbeiten ich wäre wirklich gerne dabei gewesen. 😉