Angkor What?

Der Tuk-Tuk-Fahrer steigt so hart in die Bremse, dass ich fast von der Sitzbank segele. „From here you have to walk“. Ich drücke ihm das ausgehandelte Geld in die Hand, packe meinen Rucksack und laufe los. Irgendwo da vorne muss der Grenzübergang zwischen Thailand und Kambodscha sein. Jetzt heisst es in keine der Fallen zu tappen, vor denen ich gewarnt worden war: Dubiose Vermittler, falsche Grenzbeamte, überteuerte Visa, Bestechungsgelder. Kambodscha ist nicht nur ein sehr armes, sondern auch eines der korruptesten Länder der Welt.

Zunächst sieht es aus wie der übliche Imbiss- und Krempelmarkt. Doch irgendwann zeigt ein kleines Schild mit der Aufschrift „Border“ nach links und ich folge ihm. Tatsächlich stehe ich kurz darauf vor dem Gebäude der thailändischen Ein- und Ausreisebehörde. Anstellen, Ausreisestempel, weiter. “Ist doch gar nicht so schlimm”, denke ich mir und gehe weiter. Es ist brüllend heiß und es riecht nach einer Mischung aus vergärendem Müll, Abgas und dem Dampf von Garküchen am Strassenrand. Inzwischen läuft mir der Schweißden Rücken hinunter. Die Strasse säumen jetzt riesige Kasinos; hier im Niemandsland blüht das Geschäft mit thailändischen Glücksrittern aus dem 250 Kilometer entfernten Bangkok, denn in Thailand ist Glücksspiel verboten. Nach ein paar hundert weiteren Metern erreiche endlich die Grenze nach Kambodscha.

Im Wartesaal des „Visa on Arrival“ Büros hängen drei Uniformierte herum. Einer schläft, einer kocht und der dritte starrt stumpf die Wand an. Komischerweise bin ich der einzige Antragsteller im Raum. Misstrauisch fülle ich das Formular aus und will meine 30 $ Visagebühren auf den Schalter blättern. Da erhebt sich einer der Soldaten, nimmt meinen Reisepass und schreibt auf einen Zettel „30 $ + 100 Baht Fee“. Zähneknirschend schmiere ich zum ersten mal in meinem Leben einen Beamten. 100 thailändische Baht – rund 2,50€ – zumindest ein überschaubarer Betrag. Dafür läuft danach alles “wie geschmiert”. Er reicht den Pass durch eine getönte Scheibe, ich werde fotografiert, meine Fingerabdrücke werden eingescannt und nach fünf Minuten klackern die Stempel in meinen Pass. Kurz darauf reise ich ein, ins Königreich Kambodscha.


Direkt hinter der Grenze liegt auf kambodschanischer Seite die Stadt Poi Pet. Grenzorte sind ja selten echte Perlen urbanen Lebens, aber Poi Pet ist mit Abstand der mieseste Ort, den ich seit langem zu Gesicht bekommen habe. Heruntergekommen, staubig, voller Müll und randvoll mit Halsabschneidern. Man kommt von der Grenze erst einmal gar nicht ohne weiteres weg. Und ich höre zum ersten mal den Satz, der mich noch öfter durch Kambodscha begleiten wird: „Wait here“.

Ich warte auf einen offiziellen, kostenlosen „Shuttlebus”, der die Ankommenden zu einem Busbahnhof ausserhalb der Stadt bringen soll. Taxis sind direkt hinter der Grenze angeblich verboten. Warum weiss nur der liebe Gott und die Transport-Mafia in Poi Pet, die angeblich in Zusammenarbeit mit der Polizei alles kontrolliert. Der Bus kommt natürlich nicht. Noch bin fest entschlossen nicht nachzugeben. Doch die Hitze und der Gestank kochen mich gar. Also spreche ich irgendwann einen der Schlepper an. Für einen Dollar (Der US-Dollar ist de facto die Währung Kambodschas, mit dem kambodschanischen Riel bezahlt man nur Kleinbeträge unter einem Dollar) organisiert er einen Mopedfahrer und eine Minute später lassen wir die verdammte Grenze hinter uns – zu dritt auf einem Moped mitsamt meinem Gepäck.


Es gibt auch einen König in Kambodscha von dem es viele Bilder in den Strassen gibt.

Rund zwei Kilometer später halten wir bei einem „Taxiunternehmen“, das mich in die Provinzhauptstadt Battambang bringen soll. Ich verhandle und bezahle 18 $ für die Fahrt und 2 $ für den Vermittler. “Wait here,” sagt der Taxiunternehmer. Dann passiert erst einmal gar nichts. Vielleicht eine halbe Stunde später kommt ein Fahrer mit einem uralten Nissan Minivan und lädt mich ein. Allerdings ist nach zwei Minuten die Fahrt schon wieder zu Ende. Der Fahrer hält am Strassenrand und steigt aus. Ich frage ihn was los ist, aber er spricht kein Wort Englisch oder Französisch. Das einzige, was er immer wieder sagt ist „Battambang, Battambang“. Dann kichert er wie irre und haut mit der flachen Hand wahlweise vorne oder hinten aufs Autoblech und murmelt beschwörende Formeln. Habe ich es mit einem Wahnsinnigen zu tun?

Ich bin nicht gerade ängstlich, aber als neben dem Auto ein paar Straßenkinder anfangen, sich mit benzingefüllten Plastiktüten ins Koma zu schnüffeln, fange ich an, darüber nachzudenken, ob die Sache mit dem Taxi wirklich eine gute Idee war. Wir warten eine weitere Stunde und nach und nach trudeln Mopeds und Autos mit weiteren Fahrgästen ein. Als das Auto endlich voll ist fahren wir los. Denkste. Wir gondeln noch eine weitere geschlagene Stunde kreuz und quer durch Poi Pet, laden Menschen ein und wieder aus. Phasenweise war es im Auto so voll, dass sich der Fahrer seinen Sitz mit einem Fahrgast teilt. Irgendwann gegen Abend erreichen wir dann doch noch Battambang, wo mich der Fahrer einfach irgendwo rauskippt, weil er sich offensichtlich genauso wenig auskennt wie ich. Ein Tuk-Tuk-Fahrer schaukelt mich dann schließlich zur gebuchten Unterkunft. Nach mehr als 12 Stunden für die knapp 400 Kilometer von Bangkok bis hierher, lese ich abends im Internet nach, dass der Taxifritze mich abgezogen hat. Statt der angemessenen 10 $ für die rund 120 Kilometer Strecke hat er von mir fast das Doppelte kassiert. Soll ich mich ärgern? Nein. Ich bin in Battambang und er in Poi Pet. Das ist Strafe genug.


Hat man die Grenze erst einmal hinter sich, ist Kambodscha ein wirklich sehenswertes Land und das Volk der “Khmer” sind unglaublich nette Menschen, obwohl sie in ihrer Geschichte soviel erdulden mussten. Das kleine Land ist seit Jahrhunderten ein Spielball zwischen den Weltmächten und seiner größeren Nachbarn Thailand und Vietnam. Von 1863 an war Kambodscha zuerst französisches Protektorat, dann bis 1954 Kolonie. Zum Ende der 1960iger Jahre wurde Kambodscha Nebenkriegsschauplatz des Vietnamkriegs an, dessen Ende die Amerikaner den Osten des Landes bombardierten. Im Anschluss tobte von 1970 bis 1975 ein erbitterter Bürgerkrieg in Kambdoscha, der mit dem Sieg der Ultra-Maoisten, besser bekannt als „Rote Khmer“, endete.

Quelle: Euronews

Für die Kambodschaner begann damit die schlimmste Zeit ihrer jüngeren Geschichte. Pol Pot, der Führer der „Khmer Rouge“, wollte in Kambodscha einen radikalen Agrarkommunismus umsetzen und verwandelte das Land in ein riesiges Arbeits- und Gefangenenlager. Die Bevölkerung der Hauptstadt Phnom Pen wurde binnen Wochen nahezu vollständig in ländliche Gebiete umgesiedelt. Die buddhistische Religion wurde verboten, Geld abgeschafft, Bücher verbrannt. Lehrer, Händler und die intellektuelle Elite des Landes wurden zu Tausenden ermordet. Schon kleineste Vergehen oder der leiseste Verdacht konnte den Tod der gesamten Familie bedeuten. Wer zu spät zur Arbeit kam, konnte wegen des Verdachts auf Sabotage hingerichtet werden. Zwischen 1,5 und zwei Millionen Kambodschaner haben die roten Terrorherrscher umgebracht, bevor 1979 eine vietnamesische Invasion dem Spuk ein Ende bereitete.

Ich besichtige die sogenannten „Killing Caves“ , auf dem Phnom Sampeau, dem einzigen Karsthügel, der sich aus der Ebene der Reisfelder rund um Battambang erhebt. Hier unterhielten die Roten Khmer eines ihrer Gefängnisse – Inhaftierung bedeutete fast immer den Tod. Die Verhafteten wurden in einem umfunktionierten Tempel verhört und anschließend zu den rund 200 Meter entfernten Höhlen gebracht. Dort hat man die Menschen mit Knüppeln erschlagen oder ihnen mit Messern die Kehlen durchgeschnitten, um Munition zu sparen. Kinder wurden solange gegen Bäume geschlagen bis sie tot waren. Danach hat man ihre Körper durch Löcher in die Höhlen geworfen; getrennt nach Männern, Frauen und Kindern. Mein Fahrer und Fremdenführer erzählt mir, dass nicht alle Opfer sofort tot waren, sondern teilweise von unten noch um Hilfe riefen. Erkenntnis 2019/2 Eigentlich möchte man es nicht wissen – aber es ist wichtig zuzuhören, wozu Menschen fähig sind.

Nach dem Ende des roten Terrors folgten 10 Jahre Besatzung durch die Vietnam, bewaffnete Konflikte mit China und ein bis in die neunziger Jahre dauernder Guerillakrieg gegen die Roten Khmer, die nach dem Ende ihrer Terrorherrschaft von Thailand, China und den USA unterstützt wurden, um dem Moskau hörigen Vietnam zu schaden. Die Logik internationaler Interessenpolitik ist nur schwer erträglich. Das bittere Erbe der vielen Konflikte: Bis heute liegen in Kambodscha noch über fünf Millionen Landminen im Boden vergraben. Besonders im Norden und Westen des Landes sollte man deshalb nicht auf eigene Faust abseits sicherer Regionen durch Felder oder Dschungel wandern. Bis heute verlieren jedes Jahr hunderte Kambodschaner durch Minen ihr Leben oder werden verstümmelt.

Minenopfer, die in der Tempelanlage Angkor Wat musizieren, um Spenden zu sammeln

Wirtschaftshilfe bekam das Land nach der Besetzung durch Vietnam in beschränktem Umfang nur von den Staaten des Ostblocks, aber auch die kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fast vollständig zum Erliegen. Erst in den neunziger Jahren hat sich der Westen nennenswert engagiert. Aber bis heute rangiert Kambodscha unter den ärmsten Ländern und liegt gemessen an der Wirtschaftskraft pro Einwohner hinter Bangladesh oder dem Jemen. Kein Wunder, dass die Regierung nur zu gerne die “Hilfe” Chinas annimmt, das im großen Stil Kredite vergibt und in Kambodscha investiert. Das Geld aus China ist bequemer für die Regierenden, denn im Gegensatz zu westlicher Entwicklungshilfe ist es nicht an politische Bedingungen geknüpft. Überall im Land sieht man chinesische Fabriken im Aufbau, daneben kasernenartigen Unterkünften für die Gastarbeiter, die China gleich mit exportiert. Sihanoukville an der Küste Kambodschas ist eine einzige Großbaustelle. Hier soll das Las Vegas Asiens entstehen, denn in China ist Glücksspiel ebenso untersagt wie Thailand. Und so investieren chinesische Investoren in riesige Kasinos und Hotels, in denen alles auf Chinesen abgestimmt ist – bis hin zum Personal. Dass das bescheidene Wirtschaftswunder vor allem China nützt, und für die Kambodschaner auf lange Sicht nur Brotkrumen und Hilfsjobs abfallen, scheint die Regierung billigend in Kauf zu nehmen.

Ich habe rund um Battambang verschiedene kleine Familienbetriebe besucht. Mit einfachsten Mitteln verarbeiten die Leute dort, was die sehr fruchtbaren Böden hergeben: Reis, Bananen und viele andere Früchte. In einem Betrieb wird seit Generationen Reispapier hergestellt, in der die auch bei uns beliebten weißen Frühlingsrollen eingewickelt werden. Gebacken wird der hauchdünne Teig nur für wenige Sekunden auf einem Ofen, der mit dem Spreu gedroschener Reiskörner gefeuert wird. Danach werden die fast durchsichtigen Fladen in der Sonne getrocknet. Denselben Brennstoff benutzte auch eine Reisschnapsbrennerei. Stolz erzählt der Besitzer, dass sein Reisschnaps, mit über 50% Alkoholgehalt und mit Schlangengift versetzt, zur Linderung von Schwangerschaftsübelkeit verabreicht wird. Wie heißt es…richtig ist, was hilft. An Kindern mangelt es in Kambodscha jedenfalls nicht. 

Bis zu 2.500 Reispapierfladen stellen die zwei jungen Frauen pro Tag her.

Tags darauf sollte es mit dem Schiff weiter gehen, entlang dem Fluss Sangker in Richtung Siem Reap. Doch da der Pegelstand während der Trockenzeit zu niedrig ist, rumpelte ich die ersten anderthalb Stunden auf der Ladefläche eines überfüllten Kleinlasters inklusive 300 Eiern über Feldwege und durch Buschwald bis zu einer Bootsanlegestelle, die ich wohl auf keiner Karte wiederfinden würde. Und nach einem kurzen “wait here” tauchte tatsächlich das Schiff auf. Auf dem träge fließenden Fluss ging die Fahrt durch den Westen von Kambodscha, vorbei an Fischern und schwimmenden Dörfern, die zumeist nur über den Fluss erreichbar sind.

Das “Schnellboot” von Battambang nach Siem Reap braucht sechs bis neun Stunden

Die Flussnomaden bauen ihre Hütten auf Schiffe und Flöße, da während der Regenzeit das gesamte Gebiet überschwemmt wird. Praktischerweise schwimmen die Häuser dann obenauf. Manche nutzen die Trockenzeit, um am Ufer ein wenig Ackerbau zu betreiben, doch die meisten sind Fischer oder züchten Krokodile, die in schweren drahtgesicherten Holzverschlägen im Fluss vor sich hin dämmern. Trotz aller malerischen Szenerie eines Lebens aus einem anderen Jahrhundert, sind die Lebensumstände Flussbewohner alles andere als romantisch. Strom und sauberes Wasser sind Mangelware und besonders die kleinen Kinder erkranken während der Regenzeit immer wieder am Dengue-Fieber; das ohne medizinische Behandlung tödlich enden kann. 

Nach rund sechs Stunden erreicht das Schiff den Tonle-Sap, den größten Binnensee Südostasiens, der gleichzeitig eines der fischreichsten Binnengewässer der Welt ist. Dort ist im Juni zu Beginn der Regenzeit ein weltweit einzigartiges Naturphänomen zu beobachten. Während sich der See im Norden aus verschiedenen Flüssen speist, mündet sein Abfluss im Süden in den Mekong. Während der Monsumregenfälle und der Schneeschmelze im Himalya führt der Mekong jedoch soviel Wasser, dass der Nebenfluss seine Fließrichtung ändert und der Tonle-Sap wie ein gigantisches Überlaufbecken seine Oberfläche um das Drei- bis Vierfache auf über 10.000 Quadratkilometer ausdehnt. Das ist rund rund zwanzigmal so groß wie der Bodensee.

Nach zwei weiteren Stunden erreichen wir schließlich die Stadt Siem Reap und die Tempelruinen von Angkor Wat, und die Zivilisation und der Massentourismus haben mich wieder.

Tempelanlage Bayon in Angkor Thom – was soviel heisst wie “große Stadt”

Ich weiss es nicht genau, aber es müssen Tausende von Touristen sein, die täglich hierherkommen kommen, um die zum Weltkulturerbe gehörende Tempelanlage Angkor Wat und die viele anderen Tempelanlagen anzuschauen, die rund um Siem Reap im Wald liegen. Jedenfalls ist es bereits zum Sonnenaufgang vor sechs Uhr brechend voll. Zwischen 1200 und 900 Jahre alt sind die Bauwerke, aus der Zeit als die Könige der Khmer ganz Südostasien beherrschten. Und man fragt sich, wie man mitten im Dschungel kilometerlange Mauern und Pyramiden aufschichten konnte, ohne Maschinen und andere Werkzeuge: Die naheliegende Antwort: Mit Sklaven und Elefanten.

Wo viele Touristen sind, ist das Angebot an Unterhaltung nicht weit. So wimmelt es im rund 10 Kilometer liegenden Siem Reap von Luxushotels, Spar, Massagesalons und Restaurants. Eine Straße im Zentrum heißt tatsächlich “Pub Street” und der Name ist Programm. Aus den offenen Schuppen hämmert Techno und jeden Abend füllen hunderte Partygänger die Strassen. Anlaufpunkt mit Kultcharakter ist die Bar Angkor What? Wie ein Schild neben dem Eingang verkündet “promoting irresponsible drinking since 1998”. Na dann! Prost. Beim Studium der Speisekarte des “Hard Rock Cafe” verschlägt es mir endgültig die Sprache: “Our Legendary burger” kostet dort 17 $. Vermutlich sind die Fritten vergoldet. Ein normaler Kambodschaner verdient etwas über 100 $ im Monat. Was würden wir wohl sagen, wenn in Berlin eine Touristenkneipe aufmachte, in der jedes Essen ein paar hundert Euro kostet und 100 €das Bier? Die Betreiber dieser Kette sind von allen guten Geistern verlassen und die Gäste ebenso.

Ich lasse die Touristenmeile schnell hinter mir, und schlendere lieber durch eine der Markthallen. Unfassbar was dort alles angeboten wird. Augenscheinlich wird in Kambodscha alles verzehrt, was nicht bei drei auf dem Baum oder in einem Loch verschwunden ist – frittierte Skorpione und Spinnen inklusive. Ein Rätsel bleibt mir, wie bei Temperaturen um die 36 Grad, Fleisch und Fisch ohne Kühlung angeboten wird und trotzdem frisch aussieht.

Marktstand in Kambodscha: Acht Schüsseln und man weiss von keiner was drin ist.


Danach ging es mit dem Nachtbus, in dem man sich in einen Art Verschlag legt, und per Fähre auf die Insel Koh Rong Sanloem vor der Küste von Sihanoukville. Es ist eine wunderschöne Insel mit Traumstränden und jeder Menge junger Leute, die dort in Hängematten bei chilliger Musik den Kokosnüssen beim Wachsen zusehen oder einfach nur dem Sonnenuntergang entgegen dämmern. Bei Temperaturen jenseits der 34 Grad ist es zugegeben für alles andere auch zu warm – abgesehen von Tauchkursen oder Bootausausfahrten.

Das Wasser ist wirklich so blau und so warm, dass man zwei Stunden darin liegen kann

Ich stieg im Norden der Insel in M’pay Bay vom Boot und mietete mich in einem Gästehaus mit vier Zimmern ein, das – wie sich am nächsten Tag herausstellt, der Lehrer der Inselschule betreibt. Morgens und nachmittags entschwindet er zum Unterricht. Vorher, nachher und dazwischen werkelt er pausenlos. Denn im Erdgeschoss betreiben er und seine Frau noch ein kleines Restaurant. Jeden Monat, so sagt er, müsse er 600$ Kredit an die Bank zurückzahlen und in der Regenzeit von Juni bis November kämen kaum Touristen auf die Insel. Wir hielten trotzdem jeden morgen ein Schwätzchen, während ich frühstückte. Er wollte ganz genau wissen was ich arbeite, wie ich in Deutschland wohne, wie der Winter ist, was es zu essen gibt. Er war nämlich noch nie weg aus Kambodscha. Zum Abschied brachte er mir in aller Herrgottsfrühe noch geschnippeltes Obst ans Schiff, damit ich auf der langen Reise nicht verhungere.

Von M’pay Bay gibt es keine Strasse nach nirgendwo und Schiffe sind die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Richtig lebhaft wird es, wenn nach Einbruch der Dunkelheit das Versorgungsschiff vom Festland kommt, dann ist es für eine Stunde voll am Pier. Alle rufen durcheinander und viele Handwagen werden beladen mit allem, was gebraucht wird – vom Frischgemüse bis zum Zementsack. Wenn der Auftrieb sich verlaufen hat wird es wieder ruhig. Was blieb mir also anderes übrig, als ein paar Tage im Schatten einer Palme zu dösen und ab und an eine frische Kokosnuss zu trinken. Ich wollte schon in Neuseeland eigentlich “Moby Dick” lesen. Das habe ich dann getan.


Koh Rong Sanloem ist leider ein Paradies mit Verfallsdatum, das in wenigen Jahren der Bauwut chinesischer Investoren zum Opfer fallen wird. Denn die Regierung hat schon Teile der Insel für 99 Jahre an Chinesen verpachtet, die dort mehrere Glücksspielkasinos und ein Ferienressort für Chinesen bauen wollen. Mit der Rodung des Waldes haben sie bereits begonnen. Bis dahin bleiben es noch für wenige Jahre die schönsten Strände, die ich bisher gesehen habe.

OneMoreTune2019/2: Eagles, Hotel California

Eigentlich sollte es langsam mal gut sein mit den Hits aus dem letzten Jahrhundert, zumal mir die Eagles als Band eigentlich wenig sagen. Aber ihr“Hotel California” (Hier eine Live-Version von 1977) verfolgt mich auf der ganzen Reise. Egal in welchem Land ich mich in eine Bar setze, es dauert keine halbe Stunde bis die Eagles wieder loslegen. Am schönsten war’s am Strand von M’Pay Bay auf Ko Rong Sanloem. Die Kneipe bestand nur aus einem Strohdach, einem Tresen und ein paar Planen. Der Besitzer hatte sein ohnehin offen getragenes Hemd um 22 Uhr mit den Worten: “Shirt time is over for this week” hinter sich gepfeffert, und sein Barmann, ein vielleicht Ende zwanzigjähriger Südafrikaner mit blonden Rastazöpfen, wollte mich allen Ernstes davon überzeugen, dass die beste Medizin gegen Husten pur gerauchtes Marihuana sei. Ich hatte eigentlich gar keinen Husten. Es wurde trotzdem ein wirklich lustiger Abend. Der Mond schien auf’s Meer, das eiskalte Büchsenbier kostete 1$ und natürlich sangen die Eagles irgendwann in voller Lautstärke “Hotel California”. Wir quatschten über Südafrika, das Leben an sich und über Nepal, wo er unbedingt auch bald hinwollte. Am Ende drückte mich Mann aus Kapstadt an seine (natürlich) blanke Brust und verabschiedete mich mit den Worten: “Stay safe, man. Will see you in Nepal, if you stay long enough”. Ich denke nicht, dass ich ihn dort wiedersehen werde.

Sittin’ on the dock of the bay

Die lange Reise begann mit einem kurzen Lauf. Als ich am 29. Dezember vormittags endlich an der Straßenbahnhaltestelle Richtung Potsdam Hauptbahnhof stand, kramte ich zunehmend hektischer in den Taschen. Wo war mein Handy? Aus bangem Kramen wurde grausame Gewissheit: Ich hatte es zu Hause liegen lassen. Auf dem Handy war die Zugfahrkarte nach Frankfurt. Ohne Frankfurt, kein Flug nach Bangkok. Ohne Bangkok, kein Flug nach Auckland. In zwei Minuten kommt die Strassenbahn. Und ohne Strassenbahn, kein Zug nach Berlin und damit kein Zug nach Frankfurt. „SCHEISSE“, soll man ja eigentlich nicht sagen. Aber da war es mal angezeigt.

Das Gute ist: In solchen Situationen arbeitet der Verstand erstaunlich rational: In 20 Minuten fährt der Zug. Taxi in Potsdam rufen, keine Option. Mein Fahrrad, war eine Woche zuvor geklaut worden. Auto, besitze ich nicht mehr. Also: Handy holen und Dauerlauf. Dann hat das Lauftraining doch endlich mal einen praktischen Nutzen…Die Challenge: Fast 30 Kilo Gepäck. 2 Kilometer. Ergebnis: Zieleinlauf nach 14 Minuten. Zustand: Schweißgebadet und selber schuld. 

Warum habe ich eigentlich soviel Kram dabei? Nun ja, für drei Monate in Neuseeland über Südostasien bis nach Nepal hat man doch einiges mit. Angefangen von Zelt und Schlafsack über Tropenmedizin, Kamera und Objektive bis zu Wanderstiefel, Hemd und Hose und einem Satz Laufklamotten, Reiseführer, Buch, Paar Schuhe, Badelatschen, Sonnenbrille, bisschen Technikkram. Mein ausgearbeiteter Apollo-11-Plan sah ja vor, alles was nicht mehr benötigt wird, nach und nach abzuwerfen, bzw. die Bergausrüstung für Nepal in Bangkok zu deponieren. Immerhin das Buch ist schon weg. Dafür ist eine Tasse hinzugekommen und ein T-Shirt. 

Der Flug nach Neuseeland war – um es kurz zu machen – sehr lang! Nach zwei Übernachtflügen und ein paar surrealen Stunden in einer Starbucksfiliale im nirgendwo der Transitzone des Flughafens von Bangkok standen Helvi und ich tatsächlich pünktlich zu Silvester um kurz nach Mitternacht mit Tausenden Neuseeländern im Hafen von Auckland und wünschten uns ein gutes Neues Jahr – 12 Stunden bevor sich Deutschland dann in die Feinstaubwolke ballerte.

Die Neuseeländer sind beim Thema Silvester um einiges bescheidener – oder besser gesagt entspannter. Private Sprengmeister und Alkoholexzesse auf öffentlichen Plätzen gibt es hier nicht. Um Mitternacht brennt die Stadt an der Spitze des Fernsehturms ein recht überschaubares (“mickerig” wollte ich vermeiden) Feuerwerk ab. Das war’s. Trotzdem finden es alle toll. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1….Happy New Year…und weiter geht’s. Den traditionellen Neujahrslauf mit Andreas musste ich dieses Jahr “schweren Herzens” durch eine Portion hervorragendes Eis an der Waterfront in Auckland ersetzen, denn zum Laufen war ich erstens zu müde, und ausserdem war es Neujahr viel zu heiß. 😉

Die Laufschuhe kamen erst eine Woche später zum Einsatz. Fünf Kilometer am 90-Miles-Beach entlang. Wir hatten die ersten paar Tage bei einem irgendwie zu Geld gekommenen Hippi verbracht, der sich in Tutukaka (der Ort heisst wirklich so) einen halben Hügel gekauft und darauf ein paar Hütten gebaut hat, die er hauptsächlich an Taucher vermietet. Ansonsten betreibt er eine mobile Rollerdisko (Inliner). Warum auch nicht? Nicht ganz überzeugt hat mich allerdings sein Konzept der „Sustainable Toilets“, das im Kern aus einem Loch in der Erde und einer Schippe besteht. Aber der Ausblick von seinem Hügel nach drei Seiten aufs Meer war grandios. Jedenfalls fragte ich ihn, ob es sich lohnt, an den 90-Miles-Beach zu fahren. Seine vielsagende Antwort war: „It’s 90 miles beach, man!“.  Und so fuhren wir also hin, inklusive eines Abstechers an Nordspitze Neuseelands, wo die Seelen der Maoris ins Meer abtauchen, bevor sie irgendwo weiter draußen Richtung Südsee wieder auftauchen….so jedenfalls erzählt es die Mythologie der Ozeanier.

Man ist in Neuseeland soweit weg von allem, dass man sich erst nach zwei, drei Wochen bewusst wird, wieviel überflüssige Gedanken wir Deutschen uns um jeden Mist machen. Irgendwo auf der Südinsel haben wir zwei Tramper eingesammelt, einen jungen Mann und eine junge Frau, und 50 Kilometer in die nächste Stadt mitgenommen. Er war Engländer aus Liverpool, der im wunderschönen Abel Tasman National Park als Kajak-Tourenführer arbeitet und in der nächsten Saison nach Queenstown weiterziehen will, die Hauptstadt der Adventure-Touristen für Bungee-Jumping, Fallschirmspringen,  Canyonabseilen, Jetbootfahren und andere Nahtod-Erfahrungen. Ich fragte ihn, was sie denn bei mit ihren Kajaktouren machen, wenn es regnent. Der Deutsche denkt natürlich wieder an Geschäftsmodelle, Verdienstausfall, reicht das denn zum Leben? Seine Antwort war: „Wenn’s regnet werden wir nass.“ (Erkenntnis 2019/1)

Ich habe die folgenden Tage länger über die Worte des Philosophen aus Liverpool nachgedacht. Wann immer ich mal Spiegel-Online aufrufe, lese ich von den multiplen Katastrophen, die über die dauerbedrohte Nation hereinzubrechen drohen. Oh Gott, der ungeordnete Brexit, oh Gott der Schnee, oh Gott der Feinstaub, oh Gott die AfD, oh Gott der Atomkrieg. Liebe Leute, ein paar Tausend Kilometer weiter schert das keine Sau – oder besser gesagt – kein Schaf. Und es scheint den Menschen gut zu tun. Denn in Neuseeland sind die Menschen unglaublich freundlich und irgendwie entspannt unterwegs. Es gibt hier bestimmt auch jede Menge Herausforderungen. Arme, Reiche, Steuern. Aber die Menschen gehen irgendwie gelassener damit um. Zum Beispiel ist die Sonneneinstrahlung in Neuseeland echt hart. Aber das ist kein Grund zu Hause zu bleiben. Am Strand zieht man eben ein langärmeliges T-Shirt an und benutzt Sonnencreme. Und wenn ein Sturm Bäume auf die Strasse fegt, diskutiert man nicht lange über den Klimawandel, sondern holt die Motorsäge raus, zieht Gummistiefel an und räumt auf. Und wenn es regnet, dann wird man nass!

Eines allerdings sollte man allerdings trotz aller Lässigkeit in Neuseeland nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn an einer Tankstelle ein Schild steht: „Last Petrol Station for the next 120 Kilometers“, darf man das getrost glauben – auch wenn der Sprit dort fünf Cent teurer ist. Es ist nämlich ein echtes Scheissgefühl, wenn der Tank auf Null ist  (und damit meine ich Null, Reserve ist dann schon vorbei) und die nächste Tankstelle ist noch vierzig Kilometer entfernt. Irgendwo anklopfen ist dann nicht, denn dort wohnt niemand, und anrufen geht auch nicht, denn Netzabdeckung gibt es in solchen Gegenden keine. Schafe und Rinder schließen in aller Regel nicht mal in Neuseeland Mobilfunkverträge ab. Es war jedenfalls sehr erlösend nach allen erdenklichen Spritsparmätzchen und Stoßgebeten mit dem wohl allerletzten Tropfen an die Zapfsäule zu rollen. Der Tankwart wollte nicht mal das Trinkgeld annehmen, das man aus Dankbarkeit gerne in irgendeinen Opferstock gesteckt hätte.

Insgesamt waren wir in knapp fünf Wochen über 4.000 Kilometer auf neuseeländischen Strassen unterwegs. Von Norden nach Süden von Osten nach Westen, von Westen nach Osten. Hügel rauf, Kurve links, schärfere Kurve rechts, noch schärfere Kurve links, Hügel runter. Und dann das Ganze wieder von vorne. Wer glaubt, Neuseeland bestehe hauptsächlich aus grünen, flachen Wiesen, der täuscht sich. Ein Großteil der Nordinsel ist hügeliges Waldgebiet mit riesigen Farnbäumen und jeder Menge Vulkane. Die weiten, langen, geraden Straßen gibt es am ehesten auf der Südinsel, aber auch dort nur östlich der Alpen.

Ein Erdbeben haben wir nicht erlebt. Aber immerhin bin ich jetzt mal über ein Stück Land gelaufen, dass aufgrund eines Erdbebens erst seit den 1930er Jahren existiert. Dazu fuhren wir nach Napier, einem Städtchen an der Ostküste der Nordinsel. Dort bebt die Erde immer wieder mal, denn Neuseeland liegt an einem Ende des „Pazifischen Feuerrings“, der sich über eine Länge von 40.000 Kilometern wie ein auf dem Kopf stehendes U von Südamerika über Kalifornien bis nach Japan und Südostasien bis runter nach Neuseeland zieht. Napier liegt auf einer der Linien, an der die Australische und Pazifische Platte sich aneinander reiben. Und das wurde der Stadt am Vormittag des 3. Februar 1931 zum Verhängnis. Ohne jede Ankündigung entlud sich die Spannung in einem gewaltigen Erdbeben. 

Innerhalb von 30 Sekunden hob sich die Stadt Napier um bis zu 2,7 Meter in die Höhe, einige Kilometer weiter, in der bei Weinliebhabern als Hawke’s Bay bekannten Gegend, sackte der Erdboden ab. Innerhalb von zweieinhalb Minuten legten weitere Erdstöße die Stadt in Schutt und Asche. Ein Teil des Hügels, auf dem die Stadt am Meer gebaut war, rutschte ab. Augenzeugen beschrieben es wie Geräusch von „kochendem Wasser“. Rund 260 Tote und 3.000 Verletzte forderte das Beben. Dass nicht viel mehr Menschen an den Folgen starben, verdankt die Stadt einem Schiff der Royal Navy, das zu der Zeit zufällig im Hafen lag. Per Funk sendete die Marine die Nachricht von der Katastrophe ins gesamte Land und binnen Stunden machten sich Schiffe mit Hilfe auf den Weg.

Quelle: Christchurch Library

Die Folgen des Bebens waren verheerend: Praktisch alle Häuser, Bauwerke und Infrastruktur waren zerstört. In den Wochen darauf kollabierten an der Londoner Börse die Aktienkurse vor allem von Versicherungen. Neuseeland, so war die Befürchtung, stehe vor dem Staatsbankrott.

Beides ist nicht passiert. Stattdessen beschlossen die Einwohner, die Stadt wieder aufzubauen – aber nicht wie zuvor, sondern gänzlich neu, im Stil der modernen Architektur der Zeit – Art déco. Ein Designstil, der zwischen 1920 und 1940 den Jugendstil ablöste und Architektur, Industriedesign, Möbelbau und bildende Kunst beeinflusste. Aus dieser Zeit stammt unter anderem das weltbekannte Chrysler-Building in New York. In Napier entstand Mitte der 1930er Jahre die bis heute weltweit größte erhaltene Ansammlung von Gebäuden im Art déco Stil. „The city is snapshot in history“, wie es in einem der Texte über Napier heißt. 

Das Erdbeben hatte aber noch eine andere Auswirkung: Eine rund 3.000 Hektar große Lagune neben der Stadt wurde durch die Anhebung trockengelegt. Und so entstand um Napier ein riesige, topfebene Fläche, durch die heute eine lange Strasse zur Stadt hinführt. Mittendrin wurde ein Flughafen gebaut. Zum Laufen nicht sonderlich attraktiv, aber wo hat man schon mal die Gelegenheit auf echtem Neuland zu wandeln? 

Ma könnte jetzt natürlich noch viel schreiben, aber es ist ja ein Irrtum, dass Reisen bedeutet “nichts” zu tun. Ich halte es deshalb mal mit dem rosaroten Panther: „Heute ist nicht alle Tage. Ich komm’ wieder, keine Frage“. 

Tipp für Läufer: Neuseeland ist ein Paradies für Trail-Läufer, vorausgesetzt man hat die die richtigen Schuhe dabei. Oder einfach barfuss am Strand, wer’s mag

OneMoreTune 2019/1: Sittin’ on the dock of the bay
Nachdem das Autoradio aus den 1980er Jahren unter mysteriösen Umständen die Batterie leergesaugt hatte, und ein in die Pampa gerufener Mechaniker sich in breitestem Neuseeländisch zu der ausführlichen Diagnose hinreissen lies: „Baaadddery!“ , verschwand das Ding für den Rest der Fahrt im Handschuhfach. Wenn man dann ein paar Wochen ohne Musik durch die Gegend gondelt, kommt einem aus der Not heraus doch das eine oder andere Liedgut über die Lippen. Immer gern genommen: „Sittin’ on the dock of the bay“. Irgendwo sitzt man ja am Ende des Tages doch wieder am Meer und sinniert in Richtung Horizont. Aber von wem ist der verdammte Ohrwurm nochmal? Und wie war das genau mit dem „wasting Time“?

Nach zwei Tagen intensiver und erfolgloser Diskussion half uns ein Blick in Segen und Geisel der Moderne: Das Mobiltelefon. Otis Redding! Klar. Er hat das Lied während eines Urlaubs in der San Francisco Bay geschrieben. Was vielleicht weniger bekannt ist. Den unglaublichen Erfolg des Songs hat er nicht mehr erlebt. Der gute Otis starb nämlich im Dezember 1967 im Alter von nur 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz auf dem Weg von einer Fernsehaufzeichnung zu einem Live-Konzert. Drei Tage zuvor hatte er „Sittin’ on the dock of the bay“ aufgenommen. Im Januar 1968 posthum veröffentlicht, wurde der Song zu seinem größten Erfolg. Und weil es auch nach mehr als einem halben Jahrhundert so schön ist, hier die ersten beiden Strophen:

Sittin’ in the morning sun
I’ll be sittin’ when the evenin’ comes
Watchin’ the ships roll in
Then I watch ’em roll away again

I’m sittin’ on the dock of the bay
Watchin’ the tide, roll away
I’m sittin’ on the dock of the bay
Wastin’ time…