Immer wieder sonntags…

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Langsam aber sicher geht die Marathon-Vorbereitung  in die Kurve vor der Zielgeraden. Sonntags ausschlafen ist da schon länger nicht mehr – stattdessen der “lange Lauf”. Aber selbst „lang“ ist eben Ansichtssache: Als ich eines schönen sonntagmorgens in den Park trabe – um 7:30 Uhr – immerhin 30 Minuten habe ich schon rausgehandelt – trabt mein Trainingspartner schon in bester Laune auf und ab. Ich schlage die Strecke zum Löwendenkmal am Wannsee vor –  hin und zurück ungefähr 25 Kilometer. „Ach so”,  kommt es da etwas enttäuscht zurück. “Du willst heute die kleine Runde machen.”  Vergeblich forsche ich nach wenigstens ein klein wenig Ironie in seiner Stimme. Doch beim Training kennt der Norddeutsche im Allgemeinen kein Vertun: 30 Kilometer sind der Plan. „Kannst ja noch was hinten dran hängen“, quetsche ich hervor und trabe los. Nun denn…wir sind dann immer schön im Schatten am Wasser lang zum Löwendenkmal. Ich war nach den 25 Kilometern trotzdem bedient. Und der Andreas hat anschließend die 30 noch vollgemacht.

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Eine Woche später: Wir haben unserere individuelle Schlösserlauf-Runde (Park Babelsberg, Glienicker Brücke, Cecilienhof, Pfingstberg, Buga-Park, Neues Palais, Sansoucci, Holländerviertel, Babelsberg noch um die lange Baumallee Richtung Golm verlängert…sechs Kilometer kerzengerade schult den Blick und stählt die Psyche. Als Beigabe haben wir auf dem Rückweg noch die Treppen von Schloss Sansoucci mitgenommen…so’n bisschen Rocky für Arme und ohne Musik…egal, die japanischen Touristen hat es trotzdem amüsiert. Ich war dann nach 28 Kilometern wieder ausreichend bedient. Und der Andreas hat anschließend die 30 noch vollgemacht.

Letzten Sonntag war dann nochmal Zwischenprüfung: Sport-Scheck-Stadtlauf in Steglitz/Zehlendorf: 21 Kilometer – Halbmarathon. Der Start war unterhaltsam, weil ich mich mit einem Erdinger-Glas befreundet habe.

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Das Glas war eigentlich mit einer Erdinger-Flasche verabredet, aber die Flasche ist irgendwie nicht erschienen – und da war das Glas ein bisschen angesäuert. Kein Problem – Flaschen gibt es genug; und deshalb habe ich mich spontan als Ersatz angeboten – fürs Foto :). Also, Respekt vor solchen Jobs – das Ding wiegt fünf bis sechs Kilo und wird mit einem Rucksack-Tragsystem geschultert. Aber das eigentlich nervige an so einem Kostüm ist die Hitze und die schlechte Sicht. Der arme Kerl ist damit einen Halbmarathon gerannt. Nun gut. Auch „arm“ ist relativ. In Aleppo würden sich wahrscheinlich viele Menschen gerade wünschen, aus Spaß an der Freude zu rennen…aber das ist ein anderes, und leider scheißernstes Thema.

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Jedenfalls, nachdem ich das Glas seinem Schicksal überlassen habe, gings recht pünktlich über die Startlinie. Der Lauf insgesamt lief gut. Ich habe das Ziel in knapp unter zwei Stunden erreicht – ein bisserl schneller wäre auch schön gewesen, aber….vor allem habe ich wieder was gelernt: Erkenntnis 2016/16: Egal was passiert – Plan durchziehen und sich nicht kirre machen lassen. Man hat es 100mal gehört, gelesen, verstanden und macht es falsch: Es war anfänglich auf der Strecke sehr voll und etwas chaotisch. Weil ich mich relativ weit hinten aufgestellt hatte, konnte ich mein geplantes Tempo zuerst gar nicht Laufen…als sich dann alle sortiert hatten, dachte ich, ich müsste jetzt mal schneller laufen, um die Zeit wieder reinzuholen. Und schon denkt man darüber nach den Plan zu ändern. „Geht doch eigentlich gut, also vielleicht doch insgesamt schneller laufen?“ Ein paar Kilometer später….“Äh..ne..doch lieber wieder langsamer…oder doch Tempo halten?“ Dafür habe ich im letzten Drittel dann die Quittung bekommen und wahrscheinlich das doppelte an Zeit verloren. Egal: „Laufen aus Freude“, heißt es ja beim Potsdamer Laufclub…und deshalb beim Zieleinlauf….Bitte Lächeln!

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Apropos PLC, weil die Welt eben ein Dorf ist, habe ich per Zufall ein paar Vereinskollegen getroffen. Wo? Na, auf dem Parkplatz von McDonalds….wo denn sonst? Und wie wir da alle so stehen, um uns vor dem Start noch zwei, drei Big Macs reinzutun…haha, denkste! Ich wurde dort bei etwas ganz anderem ertappt, nämlich dabei, dass ich mich nicht als PLC-Mitglied angemeldet hatte…weil ich meine für einen Laufverein wahrscheinlich peinliche Zeit nicht so öffentlich  machen wollte. Ist natürlich totaler Quatsch – denn jeder läuft halt so gut er kann, und nur darauf kommt es letztlich an.  Also…Ich gelobe Besserung und werde mich künftig ordentlich anmelden! Dann muss der Trainer auch nicht 20 Minuten in Ergebnislisten herumkramen. Ach ja, ich weiß nicht, was der Andreas letzten Sonntag gemacht hat. Er ist in den Urlaub gefahren. Aber ich könnte wetten, dass er irgendwo kurz nach Sonnenaufgang die 30 Kilometer voll gemacht hat.

One More Tune: Alligatoah/ „Lass liegen“  

Damit ich auch musikalisch mal dranbleibe geht’s diesmal ins Jahr 2015 und in den Plattenschrank – ach quatsch  – natürlich aufs Smartphone meiner Tochter Hannah. Sie hat mir neulich dieses Lied von Aligatoah vorgespielt, das irgendwann letztes Jahr auf Platz 1 in den Charts war…ist mir glatt entgangen. Hinter der Band verbirgt sich ein Typ mit dem Namen Lukas Strobel aus Niedersachsen, der jetzt in Berlin lebt…und damit ist wohl auch das meiste über ihn gesagt. Jedenfalls vertreibt der Song beim Laufen die Zeit. Und bei allem Gemotze über die  kommerzialisierte Gesellschaftskritik einer ohnehin nur spaß- und konsumgeilen Jugend…künstlerisch ist das ist allemal besser als die jammernden Weltverbesserungsbarden, die in den 80er und 90er Jahren so am Start waren.

Blau zu Schwarz – Läuft!

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Manchmal ist die Welt so intensiv, dass man sie fast nicht aushält. Zum Beispiel wenn in Berlin die „blaue Stunde“ schlägt, man gerade den City-Nachtlauf gelaufen ist, sich aus der schweissnassen Menschenmenge stiehlt und in einem menschenleeren Winkel an der Gedächtniskirche kurz Luft holt. Und plötzlich hämmert dieses fast unwirkliche Schwarzblau vom Himmel, das die Stadt für ein paar Minuten in eine mystische Atmosphäre taucht. Irgendwie macht das Licht alles intensiver, die Lichter, die Farben, die Stadt…die mich dann am Bahnhof Zoo wieder auf den Boden der Realität holt….”Ey, haste mal ‘n bisschen Kleingeld?“ „Ne, ey…hab ich mal nich.“ Ich habe eine Flasche Tannenzäpfe in der Hand, ey…und die trinke ich jetzt ganz alleine.

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Also, genau genommen trinken wir zu zweit. Und  genau genommen sind es auch zwei Flaschen Tannenzäpfle. Die andere hält Christian aus Babelsberg in der Hand, der gerade seine neue Bestzeit gelaufen ist. 10 Kilometer in 42 Minuten! Das muss ja irgendwie gefeiert werden. Ich bin auch zufrieden. Meine Zielzeit für den 10er-Testlauf habe ich um eine Minute unterboten…Wetter super…klasse Lauf! Berlin vom Feinsten!

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Ansonsten? Läuft! Die Knieprobleme habe ich relativ gut im Griff. Das Training ist so halbwegs im Plan und ich habe eine Schuh-Entscheidung getroffen: Den Marathon werde ich definitiv nicht mit dem adidas boost laufen. Für die 10 Kilometer ein super Schuh, aber über die volle Marathon-Distanz hat er – jedenfalls für mich – zu wenig Dämpfung. Wahrscheinlich wird es also der Asics werden. Es wird auch langsam Zeit sich ein paar Gedanken über Chicago zu machen….70 Tage noch…more or less…wenigstens ist der ganze organisatorische Kram erledigt. Flug gebucht Hotel klar gemacht, mittendrin, Laufnähe zum Start und noch wichtiger: Laufnähe zum Ziel! Ich habe zwar immer noch niemanden gefunden, der mitkommen möchte, aber was soll’s. Laufen ist ja ohnehin eher was für Individualisten.

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Was gibt’s denn sonst noch zu berichten? Ach ja, letzten Dienstag im Lauftraining hat mich der Potsdamer Lauf Club sozusagen aus heiterstem Himmel mit einem Geländeorientierungslauf überrascht. Abwechslung bringt ja bekanntlich Würze ins Leben. Jedenfalls ging es mit der Laufgruppe ab in den Wald, wo uns eine Expertin des Orientierungslaufvereins Potsdam in Empfang nahm. (Erkenntnis 2016/15: Es gibt nichts, was es nicht gibt.) Mit einer Karte, Kompass und einer Art USB-Stick am Finger ging es dann immer zu zweit oder dritt auf die Strecke, die man mit Karte und Kompass selbst ausknobeln musste. Ziel war es, zehn Markierungen im Wald zu finden. Es gibt keine vorgegeben Laufstrecke…alles ist erlaubt, Waldwege, Abkürzungen oder eben Luftlinie durch Unterholz und Brombeersträucher.

012Bild: OLV Potsdam 

Also wie soll ich es sagen, war auch mal interessant…zum Glück arbeitet meine Teamkollegin bei der Bundespolizei und konnte mit Karte und Kompass umgehen…ansonsten würde ich vielleicht jetzt immer noch im Wald umherirren. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich bei Dämmerung im Wald ohne Brille wohl keinen Flüchtigen stellen würde…es sei denn er wäre beleuchtet und würde ab und zu mit einem Schiffshorn hupen.

Aber das Schöne an der Lauferei ist ja…mit all dem muss ich nicht meinen Lebensunterhalt verdienen. Also kann ich mich an der Stelle entspannen. Oder hat Christian vielleicht recht, der mir auf der Rückfahrt vom Citynachtlauf ins Gewissen geredet hat: Du könntest noch schneller Laufen, wenn Du dich mehr quälen würdest, mal richtig an die Grenze gehen….ja…kann sein, aber auch mein Leben jenseits der Lauferei ist anstrengend und gefühlt zu oft jenseits der Grenzpfosten….ich werde trotzdem mal darüber nachdenken. Aber nicht zur blauen Stunde…denn dann wird blau zu schwarz und Berlin zu meinem Sehnsuchtsort.

One More Tune/15: Peter Fox/Schwarz zu blau

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Im Jahr 2009 hat Pierre Baigorry ein Album veröffentlicht, das in Deutschland die Charts erobert hat. Der Sohn eines Berliners und einer baskischen Französin hatte in Berlin zunächst das französische Gymnasium besucht und dann allerhand versucht: Klavierbauerlehre, Plattenladen, Sonderschulpädagogik. Hat aber (zum Glück) alles irgendwie nicht geklappt; dafür aber mit der Musik. Da nennt er sich Peter Fox und ist einer der Frontmänner der Berliner Reggae-Dancehall-Formation SEEED. „Schwarz zu blau“ ist nicht nur ein super Lauflied, sondern beschreibt ziemlich gut, was in Teilen von Berlin bei Nacht so abgeht. Der Text wird doch tatsächlich inzwischen in Schulen im Deutschunterricht als „Großstadtlyrik“ behandelt…muss ich mir vor Augen führen, wenn ich mir das nächste mal von der Warschauer Brücke nach Friedrichshain rüber den Weg durchs Scherbenmeer und Hundekacke bahne…Ist alles Kunst hier!

Läufer nerven! Laufen nervt!

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Es gibt ja tatsächlich ein paar Menschen, die dieser Blog interessiert. Jedenfalls haben mehrere von Euch gefragt,  wann wieder was erscheint. Das hat mich echt gefreut! Ich hatte nämlich überhaupt keinen Bock mehr irgendetwas über Laufen zu schreiben.

Das liegt daran, dass ich vor ein paar Wochen auf die Idee kam, mich bei fuck’n Facebook anzumelden. Und seither habe ich gefühlte 10.000 Beiträge von Lauf-Narzist(inn)en anschauen dürfen, die von Sonnenaufgang bis spät in die Nacht dort ihre sportlichen Heldentaten zum Besten geben: Kostprobe gefällig:

“Super, super, super!!!! Heute vor der Arbeit noch schnell 30 Kilometer gelaufen….Neue Bestzeit! Endgeil!”. Dazu die obligatorischen Daten vom Laufcomputer, und so sicher wie das Amen in der Kirche: Das Selfie-Bildchen vorm Spiegel, denn sie finden sich selbst auch optisch „Super, super, super!!!“. Tja…und das hat mich dann doch ins Grübeln gebracht; über die vermeintliche Größe der Dachschäden meiner Mitmenschen, und gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob die Lauferei letztlich nicht eigentlich blöd, und überflüssig und mein Geschreibe nicht eitel und infantil ist…

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Und während ich da so darüber nachgedacht habe, bin ich ich wohl zu schnell zu weit gelaufen. Denn das Laufen hat angefangen mir an den Nerven zu zerren…genauer gesagt, am Iliotibialband…wir beide kennen uns seit letztem Jahr ganz gut, das Band und ich. Und derzeit kommunizieren wir wieder täglich  miteinander, wahlweise per brennenden oder mitunter auch dumpfen Schmerzen an der Außenseite des rechten Knies. Dabei liegt die eigentliche Ursache gar nicht im Knie, sondern irgendwo…. „am Arsch“…haha…ja so ist es…kleiner Ausflug in die Anatomie gefällig:

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Der Tractus iliotibialis (im Bild blau markiert)  ist ein Faszienstreifen, der vom Darmbeinkamm nach unten zieht, als ausgedehnte sehnenartige Hülle auf der Außenseite des Oberschenkels die Muskulatur stützt und am Schienbeinkopf verankert ist. Das iliotibiale Band spielt durch das Prinzip der „Zuggurtung“ eine wichtige Rolle beim menschlichen Stand, da es die Biegebeanspruchung des Oberschenkelknochens reduziert. Lange Zeit sah man den Schmerzen verursachenden Modus darin, dass der Tractus iliotibialis an der Gelenksvorwölbung des Oberschenkels reibt, ähnlich einem Seil an einer Felskante. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass jener vielmehr auf diesen drückt.Gleichwie kann dies vor allem bei Langstreckenläufern zu Überlastungen und Reizzuständen der Knochenhaut und des Schleimbeutels führen. Das Schmerzsyndrom selbst ist vielen Läufern und Radfahrern bekannt und als Tractussyndrom das häufigste bei Schmerzen im Bereich der Außenseite des Kniegelenks. Quelle: Wikipedia

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Tja, also alles nicht so schlimm, aber nervt halt! Zumal da nur eins hilft…runter mit dem Trainingsumfang. Ich habe die Zeit und das schöne Wetter deshalb genutzt, um mal ein bisschen im Park herumzulümmeln, bisschen was zu lesen, und den lieben Herrgott einen guten Mann sein zu lassen. Natürlich werde ich beim Blick auf den Kalender nervös, denn es sind ja nur noch drei Monate bis Chicago…aber Erkenntnis 2016/14: In der Ruhe liegt die Kraft. Und es dürfte wohl wieder mal Zeit für Dehn- und Kräftigungsübungen der Becken-, Bauch- und Rückenmuskulatur werden…habe ich schleifen lassen…selber schuld. Irgendwie ging mir das  Herumgeturne auf die Nerven…was soll’s…. “nobody’s perfect”…ausser die Facebook-Klone natürlich….bei denen ist alles super, super, super!!!

One More Tune/ 14: Bowie/Under Pressure
Passt doch…der Song handelt davon, dass permanenter Druck schädlich ist und Liebe der Ausweg sein kann….na dann…mal her mit der Liebe! Der Song erschien erstmals 1981 auf dem Queen-Album Hot Space. Er ist aber eine Koproduktion von Queen und David Bowie. Der spielte es später oft im Duett mit seiner langjährigen Bassistin Gail Ann Dorsay. Es spricht für Bowie, mit einer solchen Spitzenmusikerin zu arbeiten. Wirkliche A-Stars scharen halt A-Leute um sich, während B-Leute C-Talente holen, damit diese ja nicht heller scheinen mögen als sie selbst. Kann man überall beobachten – auch im Job. Also Hut ab, Herr Bowie…und Vorhang auf für Gail Ann Dorsay und David Bowie, was in dem Fall die richtige Reihenfolge der Nennung ist: Under Pressure.

PS: Die Einführung zeigt, dass die Franzosen nicht nur gut Fußball spielen..sie machen auch noch erstklassige Musiksendungen!

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Spiel mir das Lied vom Schlösserlauf….

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Wie auf einer Perlenschnur reiht das Leben Erfahrung an Erfahrung. Am Wochenende habe ich die Perle mit dem Wörtchen „Scheißhitze“ aufgefädelt: Es ist Sonntagmorgen, kurz vor neun Uhr. Die Sonne sticht schon unangenehm aus einem wolkenlosem Himmel. Doch das ist erst die Ouvertüre für die schwüle Hitze, die eine Stunde später das Atmen immer schwerer macht. Ich stehe am Start des Potsdamer Schlösserlaufs – habe mich am morgen noch zum Halbmarathon nachgemeldet – ich konnte es nicht lassen – obwohl ich nicht wirklich fit bin und es seit Tagen drückend heiß ist. Der Anfang geht noch. Locker angehen lassen, auf der langen Geraden ins Stadtzentrum gibt’s ja sogar ein bisschen Schatten. Die Pulsuhr zeigt 5:40, alles im Plan.

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Aber schon nach sechs Kilometern schaltet mein Körper – ohne mich zu fragen –  in den Hitzemodus. Der Puls haut nach oben ab, die Augen fangen an zu tränen, das Hemd klitschnass. Ich weiß, der größte Teil der Strecke geht ab jetzt durch die pralle Sonne und mir wird endgültig klar, dass dies kein schöner Lauf wird. Er brennt im Hals wie Chilli und hämmert im Kopf wie Death-Metall. Drei Worte kreisen in meinem Kopf wie Weissrückengeier über einem verendenden Rind in der Serengeti: „Scheißhitze, Scheißhitze, Schießhitze“.

Bis Kilometer 12 denke ich noch, dass ich es unter zwei Stunden packen kann. Ab dann geht’s bergab mit mir. Die Signalhörner der Ambulanzen werden häufiger, ich passiere innerhalb kurzer Zeit drei Läufer, die von Sanitätern versorgt werden. Spaß ist was anderes. Irgendwo zwischen Kilometer 14 und 15 ergebe ich mich einfach dem Gartenschlauch eines Anwohners…zum Teufel mit Zeiten und Zielen – schließlich ist das Freizeitsport und kein armenischer Todesmarsch. Nach einer ausgiebigen kalten Gartenschlauch-Dusche und fünf Minuten Gehen mache ich mich in angemessenen Lauftempo auf den Weg Richtung Ziel, das ich in akzeptablem Zustand, dafür aber in absolut unakzeptablen 2h:14m erreiche. Scheiß drauf – schließlich will ich ja noch was vom Sonntag haben.

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Ein großer Dank jedenfalls an die vielen Potsdamer Anwohner, die in der zweiten Streckenhälfte mit Gartenschläuchen und Rasensprenklern alles gegeben haben, um für Kühlung zu sorgen! Kleiner Einschub für alle, die im Sanitätswagen die Ziellinie überquert haben:

Warum ist Sport bei Hitze anstrengender?
Wegen veränderter Blutverteilung. Bei hohen Außentemperaturen verlagert der Körper einen großen Teil seines Blutvolumens in die Haut und sorgt so für mehr Schwitzen. Dabei kühlt nicht nur die Haut, sondern auch das Blut selbst ab. Der  Körper muss seine Kerntemperatur so um 37 Grad Celsius konstant halten – gelingt das nicht mehr, schickt er sich (dich) kurzfristig in die Horizontale – ein Selbstschutz des Systems. Hitze verringert aber auch die Leistungsfähigkeit insgesamt: Durch die Verlagerung des Blutes in die Peripherie steht den Muskeln insgesamt weniger Blut zur Verfügung und gleichzeitig nimmt der zentrale Venendruck ab. Folge: Das Herz muss schneller pumpen, um genügend Blut in lebenswichtige Organe zu bringen. Die gleiche Leistung wie sonst ist nur mit einer höheren Pulsfrequenz zu erreichen.

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Für mich war’s im Rückblick kein schöner, aber dafür ein wichtiger Lauf. Erkenntnis 2016/Nummer 13: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ Diese Binsenweisheit, mit der Männerbünde mitunter exzessiven Alkoholmissbrauch begründen, verdanken wir eigentlich dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche. Ich interpretiere das für mich so: Klar habe ich meine Zielzeit verfehlt. Ja und? Man läuft in Raum und Zeit, muss seine Ziele diesen anpassen. Erfahrung heißt auch mit schlechten Rahmenbedingungen gut umzugehen, statt hinterher halbtot überm Zaun zu hängen. Das Leben ist zu kurz, um es nicht jeden Tag zu genießen!

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Dazu passen noch ein paar Zeilen von Thoreau, die mich an das schöne Ende des Sonntags erinnern:

Während ich mich an einem schwülen Tag
auf den trägen Wassern des Sees treiben lasse,
höre ich fast auf zu leben und fange an zu sein.
Henry David Thoreau

Mein tatsächliches Finish war nämlich am Havelufer. Im Sonnenuntergang schwimmen gehen, Hühnchen vom Pappteller und Reis mit der Hand essen, zurücklehnen, aufs Wasser schauen, ein kaltes Flens, Füße hochlegen und ein leises Ahhhhh…. tönen.

One More Tune/13: Rammstein/Engel:
Passt irgendwie zum dem Lauf. Rammstein im Madison Square Garden, New York, 2010. Die mehr als 14.000 Karten waren innerhalb von 20 Minuten ausverkauft. Weiterer Kommentar überflüssig. Wer wissen will warum: Hier klicken. 

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Der hier steht ganz nahe der Laufstrecke im Babelsberger Park.   

Morgenstund hat Gold im Mund

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich ”Euer Gnaden.“

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz 
(1883 – 1934), deutscher Lyriker, Erzähler und Maler

 

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Und vor dem Frühstück, Herr Ringelnatz, habe ich noch einen schönen Lauf gemacht. Sonntagmorgen, 6:30 Uhr soll eigentlich der Wecker schellen. Ich bin schon kurz vorher wach. 16 Kilometer habe ich auf dem Plan. Es kostet mich schon ein zwei Minuten Überwindung, denn bisher habe ich konsequent allen einen Vogel gezeigt, die am Wochenende um 7 Uhr morgens die Laufschuhe schnüren und behaupten, das sei die schönste Zeit überhaupt. Aber heute soll es in Berlin 28 Grad geben und das ist einfach zu warm. Eigentlich laufe ich oft abends. Aber abends bin ich zur Zeit immer so müde, also probieren wir mal den frühen Morgen aus.

Es wird dann doch halb acht bis ich auf der Piste bin. Macht nichts. Das Havelufer gehört um diese Zeit tatsächlich mir und ein paar anderen Läufern, die früh unterwegs sind – man grüßt sich. Rennradfahrer, Hundebesitzer und Familien mit Laufrad-Kleinkindern (letztere brauchen prinzipiell immer die volle Breite des Wegs) liegen scheinbar alle noch im Bett. Wie schön. Sanft fällt das Licht zwischen die Baumwipfel auf den Weg Richtung Pfaueninsel – welch friedlicher Start in den Tag.

Für eine handvoll Dollar habe ich für diesen Morgen sogar einen Sherpa verpflichtet. Peter fährt mit dem Fahrrad nebenher und hat Wasser im Rucksack. Dass er sich trotz seiner 12 Jahre immer noch diebisch darüber freut, mich hinterrücks mit einer Wasserpistole nass zu spritzen sei geschenkt, ist bei dem Wetter sogar willkommen.

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Das Programm für die nächsten Wochen: Laufen, Laufen, Laufen…..ich bin gewaltig im Rückstand. Mein Laufpartner Andreas ist gestern die Marathondistanz beim Rennsteig-Lauf gelaufen. 42 Kilometer, 1600 Meter Höhenunterschied, bis 840 Meter über NN. Die Strecke verläuft quer durch den Thüringer Wald. Hut ab, Andreas! Das wäre für mich derzeit undenkbar. Erkenntnis 2016 Nummer 12: Per aspera ad astra – Durch den Staub zu den Sternen. Oder etwas freier übersetzt: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Oder ganz einfach gesagt: Kommt Zeit kommt Trainingsstand. Meine Motivation ist jedenfalls zurück. Das ist gut!

Ach ja..und es gibt seit heute noch eine neue Frau in meinem Leben…Sie ist Italienerin, arbeitet für Apple in Kalifornien und ist nicht von dieser Welt. Und das kam so: Was hört man an einem Frühlingssonntagmorgen im Wald?  Natürlich! Vivaldi! Und als ich am iPod Shuffle auf den kleinen Knopf drücke, mit dem man die Titel ansagen lassen kann, spricht plötzlich diese Frau in meine Ohren: “Antonio Vivaldi, concerto per quattro violines numero cinquecentoventidue.….ich kam fast vom Weg ab.

Bislang gab es bei Apple nur einen furchtbaren Typen, der mit seinem amerikanischen Kauderwelsch hartnäckig allen Versuchen widerstanden hat, deutsche oder französische Interpreten auch nur annähernd verständlich  auszusprechen..und jetzt säuselt es mir astreines Italienisch ins Ohr: Welch phonetische Wohltat…also manche Menschen wünschen sich ja nach ihrem Tod an Odins Tafel zu sitzen oder als Stein wiedergeboren zu werden. Ich für meinen Teil würde mich damit begnügen als Italiener zur Welt zu kommen…gutes Essen, mildes Klima, schöne Landschaften und alle Frauen sprechen italienisch…

One More Tune/12:  Antonio Vivaldi, Konzert für vier Violinen in A, RV 522, Allegro

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Das Stück veröffentlichte Vivaldi im Jahr 1711 im Rahmen der “Estro Armonico”. Der Zyklus aus 12 Konzerten gilt als prägend für viele spätere Kompositionen des 18. Jahrhunderts und hat anscheinend auch Johann Sebastian Bach beeinflusst. Das alles ist schon eine ziemliche zeitlang  her….nichtsdestotrotz ist es immer noch tolle Musik für einen harmonischen Morgenlauf.

Was nun allerdings den Autor dieses “Vivaldi-Clips” bewegt haben mag, darüber können wir nur spekulieren…zugegebenermaßen sieht die Frau schon gut aus, aber was hat sie mit Vivaldi zu tun? Arbeitet sie am Ende gar bei Apple und spricht italienische Ansagen auf iPods? Und was in aller Welt machen diese albernen Rosen da in ihrem Haar? Vielleicht sollte ich in Erwägung ziehen mir für den Chicago Marathon ein Haarkränzchen aus Hopfenblüten zu flechten oder mir einen Henkel Weintrauben hinter die Ohren zu stecken? Fragen über Fragen…

Zurück auf Los…

Es ist schon eine Weile her seit dem letzten Blogeintrag. Was soll ich sagen? Irgendwie war mir in den zurückliegenden Wochen weder nach Schreiben noch nach Laufen. Sagen wir mal so: Wenn man an Krisen tatsächlich wächst, würde ich dem Zuständigen gerne zurufen: Ich bin jetzt groß genug!

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Aber der Reihe nach: Ende März ging es endlich nach Mallorca. Frühling total. Drei Wochen Urlaub und den Halbmarathon in Pollenca vor Augen. Der Trainingsstand gut…alles lief nach Plan. Doch leider hatte ich die Rechnung ohne die „spanische Grippe“ gemacht. Nach vier Tagen in Malle machten eine unglaubliche Schlappheit, Gliederschmerzen, Fieber und Husten meinem Pollenca-Halbmarathon Vorhaben den Garaus. Statt für 21 Kilometer reichte die Kraft für 21 Meter – Bett-Terrasse-Bett. Den Halbmarathon habe ich dann immerhin vom Straßencafe aus erlebt – bei Sonne und milden Temperaturen an der Uferpromenade von Porte Pollenca, mit Cappuccino und Ensaimadas (die mallorquinische Halbschwester der Rosinenschnecke) in der Hand. Ich musste ja schließlich Steffen anfeuern, der trotz wenig Training das Ding in in unter zwei Stunden heimgebracht hat.

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Und ein paar schöne Läufe und Touren waren in Mallorca dann auch noch drin, obwohl mir die Grippe noch bis Anfang Mai irgendwie in den Knochen, oder besser gesagt der Lunge stecken geblieben ist.

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Bemerkenswert ist, dass es in Mallorca bei der Startnummernausgabe für alle Läufer eine Flasche Rotwein gab…der Spanier versteht halt was vom Laufen UND vom Leben.

Um das Leben oder besser gesagt um den Tod ging es in einer Nachricht, die mich kurz vor der Rückreise nach Deutschland erreicht hat. Mein Freund Andi aus Stuttgart ist im April gestorben. Einfach so, an einem Herzinfarkt. Unfassbar – immer noch. Ein Tod an dem alles falsch ist. Mehr kann und will ich hier dazu gar nicht sagen. Jedenfalls war es für mich mit dem Training auch mental erst mal vorbei. Nach Mallorca war ich kein einziges Mal mehr Laufen. Ich konnte irgendwie nicht – fühlte mich total müde und ausgelaugt.

Aber langsam merke ich, wie ich mit allen Themen im Kopf langsam durch bin und mich wieder aufs Laufen konzentrieren möchte. Vorgestern habe ich zum ersten Mal wieder die Schuhe angezogen und eine Runde im Park gedreht, gestern Abend wieder und heute Abend auch…Back on track – nur die Pulsuhr habe ich in die Schublade gelegt – jedenfalls bis auf weiteres. Denn die Erkenntnis 2016 Nummer 11 habe ich an der Zimmerwand meiner Tochter entdeckt: „Dein Leben wird nicht dadurch länger, dass Du auf die Uhr blickst.“ Das stimmt. Und die Vorbereitungszeit für Chicago auch nicht. Ich habe nämlich noch ziemlich genau fünf Monate und einen Startplatz für Chicago in der Tasche!!! Yeeeeeeeees! Am 21. April kam die Mail:

Ohne Titel 2

Und deshalb geht es zurück auf Los und und von dort aus immer geradeaus in Richtung  Bank of America Marathon in Chicago. Ich freue mich riesig darauf! Hier noch eine Frage in eigener Sache: Bis jetzt sieht es so aus, dass ich alleine nach Chicago fahre. Geht auch; zu zweit wäre natürlich besser, schöner und toller. Also, falls jemand Lust mitzukommen – oder jemand kennt, der auch dort läuft – bitte melden! Ich wollte am 3.10. oder 4.10. los und am 10.10. wieder zurück. Flüge gibt es ab Berlin oder Frankfurt für rund 390 Euro.

One More Tune/11: AC/DC – For Those About To Rock 
Eines der letzten Male als ich den Andi gesehen habe, war er in Berlin auf dem AC/DC Konzert. Wir haben uns am Tag danach nach in der Nähe des Bahnhof Zoo getroffen, in der Sonne gechillt, gequatscht und viel gelacht – geradeaus – wie immer eigentlich; wie AC/DC irgendwie. Ich habe mich für einen Clip aus dem Jahr 1981 entschieden. For Those About To Rock (We salute you). Ein Konzert in Landover, einer 20.000 Seelen Gemeinde in Maryland/USA. Ja…ich weiß, die Kanonen sind ein bisschen lächerlich. Ja und? Ist das das ganze scheinbar wichtige Zeugs im Leben im Grunde nicht auch? Egal. Wer sich hier nicht mit einem Sixpack kaltem Dosenbier in die erste Reihe wünscht, sollte besser Helene Fischer hören und Duckface-Selfies machen. Dem Andi jedenfalls hätte es gefallen.

Versailles-Chicago-Ludwigsfelde

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Der real existierende Sozialismus hat in Deutschland inzwischen vor mehr als einem Vierteljahrhundert seinen erschöpften Geist ausgehaucht. Einzig sein architektonisches Vermächtnis hat hier und dort noch überdauert. Aber während Königreiche wenigstens imposante Schlösser hinterlassen haben, bleiben von der DDR hauptsächlich LPG-Kiesputz-Fassaden. Ein gut erhaltener Vertreter ist die Geräteturnhalle im Potsdamer Sportpark „Luftschiffhafen“, an der ich auf dem Weg zum Lauftraining vorbeikomme. Baujahr 1957 – damals war Konrad Adenauer Bundeskanzler der BRD, die Sowjetunion hatte mit dem Satelliten „Sputnik“ die Nase im Rennen um den Weltraum vorne und in der DDR hat man solche Sporthallen gebaut:

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Dass ich heute im „Luftschiffhafen“ Lauftraining mache, habe ich eigentlich dem ersten Weltkrieg, oder genau genommen dem Versailler Vertrag zu verdanken. Denn bis 1918 befand sich dort, wo heute die Turnhalle steht, eine Zeppelinwerft. (Liebe Berliner Flughafenversager, rechnet jetzt mal kurz mit, wie schnell das damals ging!)  1910 hatte der Konstanzer Luftschiffpionier Graf Zeppelin – auch der „Narr vom Bodensee“ genannt – ein 25 Hektar großes Waldareal gekauft und zum Landeplatz für Luftschiffe umgebaut. Bereits 1911 landete Graf Zeppelin das erste Luftschiff in Potsdam  – es war die LZ-10 „Schwaben“. 1912 folgte dann auf dem Gelände der Bau der damals größten Luftschiffhalle Deutschlands. In der Folge sollte Potsdam zum europäischen Luftfahrtzentrum ausgebaut werden. Tja…nur wie so oft in der Deutschen Geschichte wurde dann aus einer guten Idee Luftschiffhafen1913HansaHalleein Rüstungsprojekt – ab 1914 wurden in Potsdam Luftschiffe für den ersten Weltkrieg gebaut, mit denen die Deutschen unter anderem London bombardierten. Nach Kriegsende musste 1920 laut Auflage des Versailler Vertrags die Luftschiffhalle abgerissen werden. Ab Mitte/Ende der zwanziger Jahre legte die Stadt auf dem vor sich gammelnden Gelände einen Sportpark an…und genau dort renne ich jetzt einmal die Woche im Kreis rum….auch gerne mal bei Kälte und bei Regen. Und von beidem habe ich derzeit ziemlich gründlich die Schnauze voll.

Deshalb hatte ich für den ersten Testlauf des Jahres am vergangenen Wochenende in Ludwigsfelde auch Sonne bestellt. Und anscheinend hatte ein höhere Macht ein Einsehen, denn an einem ansonsten echt verregneten Wochenende war es Samstagmittag beim „Frühlingslauf“ tatsächlich sonnig und warm. 14 Kilometer durch den sandigen, Waldboden Brandenburgs – da war man gut beraten sich auf den Boden zu konzentrieren – zumal  in der Nacht vorher Wildschweine auf der Strecke waren.

Dass Ludwigsfelde ein Cross-Lauf ist, wurde mir aber irgendwie erst klar, als Christian und ich dort ankamen. Kurzerhand hab die Adidas-Boost-Schläppchen in der Tasche gelassen und etwas festeren Asics von der Anreise einfach anbehalten. Insgesamt ging der Lauf ganz schön in die Beine, aber mit knapp 1h:19min habe ich meine Testzeit für den Halbmarathon geschafft – und – tatahhh… – ich bin nicht mehr letzter geworden ;)). Vielleicht schaffe ich es das nächste Mal sogar, so schnell zu sein, dass vom Kuchenbuffet im Ziel noch was übrig ist…Erkenntnis 2016 Nummer 10: Das Leben bleibt eben einen eine Baustelle. 

Ach ja…die Bewerbungsphase für Chicago ist angelaufen…jetzt heißt es abwarten und auf das Losglück hoffen..und wie das in Amerika so ist, wird auch gleich die Kreditkarte belastet… 😉

Chicago

One more tune/10:Trombone Shorty: Buckjump
Diesmal ein jazzig/funkiges Stück, das ich gerne zum Anfang eines Laufs höre, weil es so schön Tempo macht. Mit richtigem Namen heißt der Musiker Troy Andrews. Aber weil er bereits als fünfjähriger Pimpf in seiner Heimat New Orleans bei Umzügen die Posaune geblasen hat, nannten ihn die Jungs im Mississippidelta einfach „Trombone Shorty“. Ich finde diesen Take auf YouTube super, weil die Jungs nicht nur lässig sind, sondern weil man das Gefühl hat, mit Ihnen in ihrer Werkstatt zu stehen.

Durchbruch am Frauentag

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Der aktuelle Beitrag startet mit ein wenig Product Placement. Interessant war für mich, dass doch fast alles was ich so benutze, anscheinend aus der deutschen Provinz zu kommen scheint…Mütze aus Herzogenaurach, Handschuhe aus Schellenberg (im Sauerland), Autoschlüssel aus Wolfsburg. Aber der wichtigste Gegenstand im Bild kommt aus Alba in Italien ist rosa und heißt “Yogurette”. Die schlanke Italienerin hab ich zum Weltfrauentag geschenkt bekommen…ja, zum WELTFRAUENTAG – obwohl ich eindeutig unrasiert zum Lauftraining erschienen bin. Ok…es ging wahrscheinlich nur darum, dass die Reste wegmussten, nachdem der Trainer alle Frauen mit Yoguretten bedacht hatte – wahrscheinlich stand ich einfach gerade nur im Weg rum – aber manchmal reicht das ja. Jedenfalls kam ich so zu meinem „Weltfrauentag-Männer-Riegel“.

Ich habe kurzerhand beschlossen dieses Kalorie gewordene Oxymoron erst zu verzehren, wenn ich am 9. Oktober in Chicago über die Ziellinie bin. Das ist übrigens einen Tag nach dem Welt-Eier-Tag und 41 Tage vor dem Welt-Toiletten-Tag der Vereinten Nationen. Der wird seit 2001 jeden 19. November von der Welttoilettenorganisation (WTO)  begangen, und soll auf ungenügende Sanitärkonzepte in Entwicklungsländern aufmerksam machen. Unbestritten ein wichtiges Thema. Dieses Jahr fällt der Welt-Toiletten-Tag auf einen Samstag. Da ist kein Lauftraining. Glück gehabt. Wer weiß, was der Trainer sonst verschenkt hätte.

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Da wir wir gerade beim Thema sind: Das Wetter am Sonntag war welttoilettentagmäßig. Und ich wurde beim 1. inoffiziellen Babelsberger Pfützenlauf zweiter Sieger in meiner Altersklasse. Alle außer Andreas hatten kurzfristig abgesagt, denn wir waren auf der ansonsten belebten Strecke fast so allein wie Leonardo DiCaprio in „The Revenant“….”wat mutt, dat mutt”, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Am Weltfrauentag – war dann dafür bei klarem, kalten Wetter 10 x 1000 Meter Tempotraining auf der Bahn angesagt. Mein Plan war, auf jeden Fall mehr zu schaffen als die sechs Einheiten der Vorwoche…sieben oder acht, dann aussteigen… Hip, hip, hooray!! Nach einigen (persönlichen) Niederlagen in der letzten Zeit habe ich am Weltfrauentag bis zum Ende durchgehalten, in den Intervallen 8 und 9 sogar nochmal das Tempo anziehen können. Wenn ich da an das vergangene Jahr denke….Mein Dank geht an Gordon und Nicole vom PLC, die mich in den Intervallen neun und zehn mitgezogen haben. „Eins geht noch.“ „Nein!!!“. „Doch…“. „Nein!“. „Komm schon…jetzt zwei, drei schnelle Schritte, Tempo aufnehmen.“ Und dann die nächsten 1000 Meter…eine Lunge auf zwei Beinen.

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Man könnte vielleicht denken, ich würde nur noch Laufen…aber da entsteht durch den Blog ein etwas schiefes, ausschnitthaftes Bild. Ernsthaft…manchmal mache ich auch ganz andere Sachen: Zum Beispiel Laufklamotten waschen :)).  Jetzt aber wirklich: Der Weinhändler grüßt mich noch auf der Straße, wenn er mich sieht. Und außerdem will ich hier ja auch nicht die Story meines Lebens erzählen, zumal die über weite Strecken leider weder sonderlich interessant noch lustig wäre.  Hier geht es halt ums Laufen. Das habe ich…vor vier Jahren  glaube ich…angefangen, weil jemand zu mir gesagt hat, ich hätte keine Disziplin. Und dann wollte ich sehen, ob das stimmt. Und später bin ich dann über einen Satz des legendären tschechischen Läufers Emil Zatopek gestolpert: „Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Wenn Du ein neues Leben willst, dann lauf Marathon.“ Und dann wollte ich sehen, ob das stimmt.

Aber um einen Marathon vernünftig zu Laufen, reicht Disziplin allein nicht aus. Man braucht auch Willen, Erfahrung und Struktur. An allem drei hat es mir bislang glaube ich manchmal gemangelt, im Training, wie vielleicht auch im Leben… Aber das wird ja ohnehin vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Das Einzige was wir machen können, ist aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und es in Zukunft besser machen. Daher die Erkenntnis 2016 Nummer neun: Der wichtigste Lauf ist immer der nächste! Das ist nächstes Wochenende der Frühlingslauf in Ludwigsfelde. Das war vor drei oder vier Jahren der erste Lauf, den ich mit Zeitmessung gemacht habe. Frühlingslauf, mit Christian, knöchelhoch durch den Schnee. Ich wurde letzter. Mal sehen wie es diesmal wird.

One More Tune/9: 

Drei Wochen bis zum Halbmarathon…Zeit die ersten ernsthaften Titel auf die Playlist zu setzten: Der Song “The Kiss” von “The Cure” ist gitarrenlastiger Pop-Wave-Gothic-Sound. Laut hören ist absolutes Muss! Definitiv etwas fürs letzte Drittel des Halbmarathons, wenn der Geist sich allmählich von Asphalt und Realität löst und der Tunnelblick einsetzt. Tempo halten! Cure hören! Und auf den nächsten Dopaminschub warten. 😉 Der Song stammt vom Album “Kiss me, Kiss me, Kiss me” aus dem Jahr 1987. Dieser Konzertmitschnitt ist absolut seh- und hörenswert. Das Konzert war 2002 in Berlin. Diesen Herbst spielen The Cure übrigens wieder in Berlin…ist aber leider schon ausverkauft.

 

Auch im Regen

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Die Regentropfen klatschen gegen die Scheiben am Bahnhof Friedrichstraße. Er liegt auf meinem täglichen Weg zur Arbeit. Eigentlich hasse ich die Friedrichstraße; wegen des Trubels, der Dauerbaustellen und des nie versiegenden Stroms von Schulklassen aus allen Herren Ländern. Oder vielleicht liebe ich auch die Friedrichstrasse; wegen des Trubels, der Dauerbaustellen und des nie versiegenden Stroms von Schulklassen aus allen Herren Ländern. Sei’s drum – für Überlegungen solcher Art ist ein Bahnhof der falsche Ort, und Ende Februar die falsche Zeit – jedenfalls in Berlin. Denn die Schnauze-voll-vom Winter-Stimmung ist auf seinem traurigen Höhepunkt angekommen. “Berlin ist auf Sand gebaut, und der zieht dich mit runter”, hat mir mal einer in einer Bar anvertraut – das war bestimmt im Februar.

Jedenfalls hat es in letzter Zeit viel geregnet. Das hat dazu geführt, dass ich am Wochenende vor acht Tagen doch tatsächlich abgeklemmt habe. Mir Weichei war es zum draußen Laufen zu nass, zu windig, zu kalt. Deshalb habe ich am Sonntag lustlose 10 Kilometer auf dem Laufband abgespult und am Montag nochmal 5 um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Spaß hat es keinen gemacht, Laufband-Laufen ist wie Skifahren auf Kunstschnee – besser als nix, aber trotzdem scheiße.  Man stellt sich ja schon beim Laufen mitunter die Frage nach dem Sinn. Aber wer sich eine Stunde lang auf einem Gummiband zwischen TV-Bildschirmen abrackert, ohne sich am Ende auch nur einen Zentimeter fortbewegt zu haben, der sollte die Sinnfrage vorher mit sich geklärt haben.

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Immerhin war es warm und trocken, denn blöderweise macht der Regen ja auch noch nass. Dankeswerterweise hat ein italienischer Physiker den Berg unnützen Wissens um einen gleichwohl interessanten Beitrag aufgestockt: Bleibt man trockener wenn man durch den Regen rennt anstatt zu gehen? Die  Antwort ist: Das kommt darauf an! Nass wird man aus zwei Richtungen: Von vorn und von oben.  Von vorn wird man genauso nass, da es dabei nur auf die zurückgelegte Strecke ankommt und nicht auf die Zeit. Allerdings bleibt beim Rennen trotzdem trockener, da die senkrecht von oben kommende Nässe allein von der Zeit und nicht von der der Strecke abhängt. Leider gilt das alles nur solange der Regen gleichmäßig fällt, alle Tropfen gleich groß sind und keinerlei Wind weht. Das erinnert mich doch stark an die ökonomischen Modelle, mit denen wir während des Studiums rumhantiert haben, und mit denen man so Dinge wie das Wirtschaftswachstum oder der Ölpreis prognostizieren kann – funktioniert wahrscheinlich deshalb so prima.

Zurück in den Regen: Es ist Dienstag, es ist dunkel, es ist kalt und eben es hat begonnen zu tropfen. Rund 40 Läufer drängeln sich unter dem kleinen Glasvordach der Sporthalle…zwei, drei Kilometer Warmlaufen, bevor das Training losgeht. Als es richtig zu platschen anfängt, ist die Unschlüssigkeit mit  den Händen zu greifen: Draußen oder Halle? Halle oder Draußen? Dann rennen plötzlich die ersten los. Ich denke an die Vögel, die ich in Südfrankreich oft beobachtet habe; alle sitzen friedlich in der Krone eines Baumes, bis unvermittelt einer losflattert und Sekunden später sind Hunderte kreischend in der Luft. Ich habe nie herausgefunden, warum der erste Vogel losflog.

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Dann sind irgendwie alle unterwegs –  ich auch. Warum? Keine Ahnung. Von oben platscht es immer heftiger, jemand neben mir sagt: „Warum tut man sich das eigentlich an?“  Nächste Frage, bitte! Nach drei oder vier Minuten trete ich auf dem dunklen Uferweg mit dem linken Fuß stockvoll in eine Pfütze. Die Socken saugen sich mit kaltem Wasser voll, zwei Minuten später ist der rechte Schuh dran. Als wir wieder beim Sportplatz ankommen bin ich so durchweicht, dass es mir vollends egal ist, ob es regnet oder nicht. Also runter mit der nassen Jacke und ab auf die Bahn. 6 x 2000 Meter Tempoeinheiten.

Nach der ersten Einheit ist mir warm, nach der zweiten Einheit steigt der Vollmond über den plötzlich wolkenlosen Horizont und taucht den Templiner See in ein kühles Mondlicht! Meine Laune steigt mit jedem Atemzug. Dass es immer wieder unter den Füßen platscht, weil auf der Tartanbahn stellenweise noch Wasser steht ist  völlig egal. Immerhin 5 x 2000 Meter habe ich hingekriegt….dann war Sense. Aber als ich eine Stunde später mit den klatschnassen Schuhen in der Hand die Halle betrete, verspüre ich ein Gefühl tiefer Zufriedenheit mit dem Tag. Erkenntnis 2016 Nummer 8: Scheiß auf den Regen. Die Angst vor dem nass werden ist viel schlimmer als nass zu sein! Und so platt es auch sein mag: Auf Regen folgt Sonnenschein…am Sonntag waren  bei schöner Wintersonne, gemäßigtem Tempo und entspannter Musik die 2,5 Stunden Hausstrecke am Havelufer ein echter Genusslauf.

One More Tune/4: Propellerheads„On Her Majesty’s Secret Service“

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Klar könnte man jetzt: Auch im Regen von Rosenstolz nehmen…ist auch ein wunderschöner Song, der hier nicht ohne Grund Erwähnung findet. Aber ich habe am vergangenen Wochenende Casino Royal geschaut. Daher ist der Musiktipp diese Woche definitiv gerührt und nicht geschüttelt: „On Her Majesty’s Secret Service“ ist eine Coproduktion des britischen Duos Propellerheads und des Filmmusikkomponisten David Arnold. Der Track erschien 1998 auf dem Propellerheads Album „Decksandrumsandrockandroll“. Es ist ein neun Minuten langes Big Beat Stück, dass den Bond Song aus dem gleichnamigen Film als Vorlage nutzt. Astreine Laufmusik: Stöpsel in die Ohren, Laufschuhe an, die Herrenbitte Smoking und Fliege nicht vergessen und ab geht‘s. Schade, dass es diese Version nie in einen Bond Film geschafft hat. Dafür definitiv auf meine Playlist für Chicago. 😉

Fifty Shades of Grey

Seit dem Trip nach Indien scheint es mir, als habe in Deutschland jemand die Farbe gestohlen. Die Kleidung schwarz, die Wände weiß, die Straßen grau. Genau genommen hat niemand die Farbe gestohlen, sondern es fehlt nur die Buntheit. Es sind die „unbunten” Farben“, die hierzulande den Ton angeben. Unbunt, weil sie weder einen Farbton noch eine Sättigung aufweisen. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Helligkeit voneinander. Tja…und dann setzen die Herren Physiker sogar noch einen drauf: “Unbunt ist als Farbe anzusehen.”  “Genau!”, möchte man manchen Menschen zurufen. Die Welt ist weder himmelblau noch rosarot, nicht schwarz nicht weiß…sie ist meistens einfach grau – und das ist eben auch auch eine Farbe…genau genommen sogar viele. Und deshalb startet der Blog diesmal mit einem Bild, das ich an einem trüben Morgen an der S-Bahn Station Babelsberg aufgenommen habe. Einfach mal klicken, groß ziehen und drei Minuten draufschauen…

Grau

…ist es nicht erstaunlich, wie viele verschiedene Grautöne ein Quadratmeter S-Bahnhof so hergibt? Es ist eines meiner Lieblingsfotos, auch weil es so schön das gesamte Können des brandenburgischen Glaserhandwerks dokumentiert….mein urschwäbischer Uropa (der war Glaser) würde sich bei dem Anblick wohl im Grabe umdrehen (mehrmals).

Was aber hat das eigentlich mit Laufen zu tun? Streng genommen nichts und doch vieles. Erkenntnis 2016 Nummer sieben: Die Sache mit der Lauferei ist wie das ganze Leben, weder schwarz noch weiß, sondern eben ganz oft grau, Routine, Wiederholung, mal heller, mal dunkler. Und im Grunde geht es darum die Zwischentöne zu schätzen.

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Zum Laufprojekt: Grau waren auch die letzten Tage, die sich jetzt für mich aber endlich an einer Art Trainingsplan langhangeln…Sonntags, der lange Lauf. Bei trüben Wetter und Nieselregen ging es 22 Kilometer durch den Wald und wie meistens immer mal wieder an der Havel lang zum Flensburger Löwen, ein Denkmal, für irgendeine Schlacht, das die Deutschen dann den Dänen geklaut hatten, aber am Wannsee eine Kopie aufgestellt hatten, noch bevor die Amerikaner 1945 den Dänen das Orginal zurückgegeben hatten. Lassen wir es damit gut sein…für die Berliner: Das Biergärtchen dort ist ganz nett, wenn es dann irgendwann wieder grün wird in den Wäldern um Berlin.

Zum Abschluss nutzten wir das neue Angebot des “Freien Üben” in der gut beheizten Iyengar Yoga Schule Potsdam in der Nähe des Babelsberger Parks. Perfekt, um die doch geschunden Muskeln und Glieder nach dem Laufen zu dehnen zu dehnen und zu strecken. Und am Ende gab‘s „Shavasana“, die einzige Yoga-Übung, deren Namen ich mir merken kann. Bei Wikipedia steht als deutsche Übersetzung doch glatt „Todes- oder Leichenstellung“.  Ich kann’s nicht ändern…ich war unheimlich gerne die Leiche!

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Dienstag ging‘s dann auf die Aschenbahn, 17 x 400 Meter Tempoeinheiten (4:20 min/km). Hört sich easy an? Ich musste zwischendurch aussetzen, keine Chance! Nächsten Dienstag stehen 6x 2000 Meter auf dem Programm, und ich kriege schon allein beim Gedanken daran schwere Beine. Aber ich werde dran bleiben. Donnerstag dann eine Einheit Iyengar-Yoga, Freitag einen 10 Km-Lauf, um sich langsam an das Halbmarathontempo ranzupirschen. Und Sonntag wieder auf die Strecke.

Es wird auch langsam Zeit ein bisschen Gas zu geben, denn der erste Testlauf 2016 steht: Am 3. April laufe ich im Norden von Mallorca den Pollenca Halbmarathon. In meiner Anmeldung steht: Mitja Marato Pollenca, Thomas – Veteranos M-45…Veteranos! Caramba! Auf spanisch hört sich sogar das irgendwie besser an. Ich freue mich jedenfalls auf schöne Läufe in Mallorca, denn das Meer dort ist blau, die Wiesen grün, die Zitronen gelb und der Wein rot…da fällt mir doch glatt der Konstantin Wecker ein:

„Und während dein Kollege Paul gerade sein Butterbrot auspackt,
öffnest Du eine weiße Flügeltür und atmest kräftig durch.
Vor Dir liegen Wiesen
Am Horizont öffnen sie sich.“

Ja, der Wecker! Hatte halt oft ein bisserl zu viel Koks am Start…aber sonst sehr schön. Wo wir gerade dabei sind, es fehlt noch der Musiktipp:

One More Tune/2:
Diesmal mehr was für die Balance als fürs Tempo: Big Calm aus dem gleichnamigen Album von Morcheeba. Notorische Kategorisierer sagen dazu wohl Trip-Hop; ein Sound der ab Mitte/Ende der 80er Jahre zuerst im englischen Bristol auftauchte. Massive Attack, Portishead, später auch Björk zählen zu den Vertretern. Big Calm ist ein schönes sechs Minuten langes Stück für den langsamen Lauf.